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Aspirin zur Senkung des Darmkrebsrisikos nutzbar?


Einnahme von Aspirin zum Schutz vor Darmkrebs

Die Einnahme von Aspirin reduziert selbst bei Personen mit einem hohen genetischen Risiko die Wahrscheinlichkeit einer Darmkrebs-Erkrankung um etwa die Hälfte, so das Ergebniss einer aktuellen Studie. Möglicherweise ist Aspirin demnach auch für die Darmkrebsprävention nutzbar.

Bei einer großen internationalen Untersuchung unter der Beteiligung von Forschenden der Universität Jyväskylä wurde festgestellt, dass Aspirin vor Darmkrebs zu schützen scheint, selbst wenn ein genetisch bedingtes Risiko vorliegt. Die Ergebnisse der aktuellen Studie wurden in der englischsprachigen Fachzeitschrift „The Lancet“ publiziert.

Andere Untersuchungen zeigten bereits ähnliche Ergebnisse

Der Befund der neuen Untersuchung ähnelt dem, was in verschiedenen großen kardiovaskulären Studien bereits beobachtet wurde. Zehntausende von Personen erhielten in plazebokontrollierten Studien Aspirin, um kardiovaskulären Ereignissen vorzubeugen. Bei der Auswertung der Daten zeigte sich auch, dass Aspirin einnehmende Menschen signifikant seltener an Darmkrebs erkrankten als diejenigen, die lediglich ein Placebo erhielten.

Neue Studie untersuchte Menschen mit Lynch-Syndrom

Die Teilnehmenden der aktuellen Studie wurden zuvor als Träger des Lynch-Syndroms identifiziert. Das Lynch-Syndrom bedingt ein erhöhtes Risiko für mehrere Krebsarten. Betroffene Personen tragen ein Gen in sich, welches einen Fehler in der sogenannten DNA-Mismatch-Reparatur verursacht. Das Lynch-Syndrom ist die häufigste Veranlagung für Krebs, dessen Prävalenz in der Allgemeinbevölkerung insgesamt bei einer Erkrankung je 250 Personen liegt. Die meisten Betroffenen sind sich möglicher genetischer Veranlagungen dabei nicht bewusst, berichten die Froschenden.

Was kann auf das Lynch-Syndrom hinweisen?

Das Lynch-Syndrom-Gen führt oft zu Krebs in jungen Jahren, am häufigsten in Darm, Gebärmutter, Blase, Harnleiter oder Gallenwegen. Gentests sind vorteilhaft für die Überwachung und gezielte Prävention von Risikopersonen. Wenn in der Familie in relativ jungem Alter (50-60 Jahre) bereits mehrfach Krebs aufgetreten ist oder einige Angehörige mehrere Krebserkrankungen in den oben genannten Organen hatten, sollten Familienmitglieder eine genetische Untersuchung und Beratung durchführen lassen, empfehlen die Forschenden.

Aspirin halbiert Darmkrebsrisiko

Die Langzeitergebnisse der aktuellen Studie zeigen, dass die Einnahme von 600 mg Aspirin täglich das Darmkrebsrisiko um die Hälfte reduzieren kann, verglichen mit Menschen, welche lediglich ein Placebo einnahmen. Teilnehmende der Studie erhielten nach dem Zufallsprinzip zwei bis vier Jahre lang entweder Aspirin oder ein Placebo. Alle Teilnehmenden wurden zehn bis zwanzig Jahre medizinisch überwacht. Von den Aspirin einnehmenden Personen erkrankten 40 an Darmkrebs, während 58 der Placebo einnehmenden Menschen Darmkrebs entwickelten.

Vor- und Nachteile von Aspirin

Die Ergebnisse seien statistisch so zu interpretieren, dass Aspirin das Risiko um etwa 50 Prozent reduziert, wobei die Schutzwirkung noch zwischen zehn und zwanzig Jahre nach Einnahme des Medikaments anhielt. Hohe Dosen von Aspirin können allerdings Blutungen und Magengeschwüre verursachen, weshalb die Forschungsgruppe derzeit eine weitere Studie mit drei verschiedenen Dosen von Aspirin (100, 300 und 600 mg täglich) durchführt, um das Risiko zu minimieren und dennoch eine Schutzwirkung gegen Darmkrebs zu erhalten. (as)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Quellen:

  • John Burn, Harsh Sheth, Faye Elliott, Lynn Reed, Finlay Macrae et al.: Cancer prevention with aspirin in hereditary colorectal cancer (Lynch syndrome), 10-year follow-up and registry-based 20-year data in the CAPP2 study: a double-blind, randomised, placebo-controlled trial, in The Lancet (Veröffentlicht 13.06.2020), The Lancet



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