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Witwen und Witwer erleiden stärkeren kognitiven Abbau


Auswirkungen des Todes des Ehepartners auf die Kognition

Der Tod des Ehepartners bedeutet für ältere Erwachsene oft den Verlust von Intimität, Gemeinschaft und alltäglicher Unterstützung. Jetzt fanden Forschende heraus, dass der Tod eines Ehepartners auch den kognitiven Abbau beschleunigen kann.

Bei der aktuellen gemeinsamen Untersuchung des Brigham and Women’s Hospital und des Massachusetts General Hospital wurde festgestellt, dass der Tod eines Ehepartners sich negativ auf den kognitiven Abbau auswirkt und diesen beschleunigt. Die Ergebnisse der Studie wurden in der englischsprachigen Fachzeitschrift „JAMA Network Open“ veröffentlicht.

Tod des Ehepartners hat schwerwiegende Auswirkungen

Wenn der Ehepartner verstirbt, hat dies tiefgreifende Auswirkung auf den noch verbleibenden Ehepartner, welche dazu führen, dass sich der kognitive Abbau beschleunigt. Zu diesem Ergebnis gelangten die Forschenden bei der Analyse von Daten älterer, kognitiv völlig normaler Amerikanern, welche an der Harvard Aging Brain Study teilnahmen, bei der zu Beginn der Familienstand und der sogenannte β-Amyloidspiegel (einem Marker für Alzheimer) bestimmt wurden.

Auch das Risiko für Alzheimer beeinflusst?

Das Forschungsteam fand heraus, dass verwitwete Frauen einen stärkeren kognitiven Rückgang erlebten als verheiratete Menschen, insbesondere, wenn sie hohe β-Amyloidwerte aufwiesen. Die Studie deutet darauf hin, dass der Verlust des Partners bzw. der Partnerin ein wichtiger und wenig untersuchter Risikofaktor für den kognitiven Rückgang im Zusammenhang mit der Alzheimer-Krankheit sein könnte. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, sich stärker mit dieser Risikogruppe zu befassen.

Soziale Beziehungen ein wichtiger Puffer gegen kognitiven Verfall

Es ist bereits bekannt, dass soziale Beziehungen ein wichtiger Puffer gegen kognitiven Verfall sein können, berichten die Forschenden. Verheiratet zu sein, bietet die Möglichkeit für mehr soziale und emotionale Unterstützung durch den Ehepartner. Das Zusammenleben mit einem Partner bzw. einer Partnerin erweitere außerdem das soziale Netzwerk und biete mehr Möglichkeiten für kognitive Stimulation.

Tod des Ehepartners hat schädliche Auswirkungen auf das Gehirn

All diesen Vorteile gehen verloren, wenn ein Partner verstirbt. Der Verlust des Ehepartners ist ein äußerst belastendes Lebensereignis, welches auch schädliche Auswirkungen auf das Gehirn haben kann. Frauen haben dabei ein erhöhtes Risiko, ihre Partner zu überleben und eine Alzheimer-Erkrankung zu entwickeln.

260 kognitiv gesunde Menschen wurden für die Studie untersucht

An der Studie nahmen insgesamt 260 kognitiv nicht beeinträchtigte Erwachsene im Alter von 62 bis 89 Jahren teil. Dabei handelte es sich um 153 Frauen und 107 Männer. Die Teilnehmenden wurden zunächst in drei Gruppen eingeteilt, verheiratete Personen, Menschen mit verstorbener Partnerin bzw. verstorbenem Partner und unverheiratete Personen (geschieden, ledig, getrennt oder nie verheiratet). Von den Teilnehmenden waren 66 Frauen und 79 Männer verheiratet und 31 Frauen und vier Männer waren verwitwet. Die Forschenden maßen zu Beginn der Studie die β-Amyloidwerte der Probanden mit der Hilfe von PET-Scans.

Kognitive Leistung wurde vier Jahre lang beobachtet

Die Forschungsgruppe bewertete vier Jahre lang jedes Jahr die kognitive Leistung der Teilnehmenden. Dafür verwendeten sie eine Reihe von Tests zur Analyse der Kognition. So fanden sie heraus, dass die kognitive Leistung in der Gruppe der verwitweten Personen abnahm und sich signifikant von der Gruppe der Verheirateten unterschied. Es konnte allerdings kein Unterschied zwischen der Gruppe der Verheirateten und der Gruppe der Unverheirateten festgestellt werden.

Kognitiver Verfall bei Verwitweten dreimal schneller

Darüber hinaus stellten die Forschenden fest, dass bei den Erwachsenen mit den höchsten β-Amyloidwerten die Verwitweten im Vergleich zu den Verheirateten die stärkste Abnahme der kognitiven Leistung aufwiesen und dieser Verfall dreimal schneller voranschritt. Dieser Befund war unabhängig von vielen Faktoren wie beispielsweise Alter, Geschlecht, sozioökonomischem Status und Depression.

Weitere Forschung ist nötig

Die Forschungsgruppe merkt an, dass dies die erste Studie ist, die einen kombinierten und sich verstärkenden Effekt von Verwitwung und β-Amyloid auf den kognitiven Rückgang zeigt. Ein solches Ergebnis muss jetzt in anderen Untersuchungen überprüft werden. Es ist wichtig die physiologischen Auswirkungen der Verwitwung besser zu verstehen, so dass Interventionen entwickelt werden können, um zu versuchen, die negativen Auswirkungen aufzuhalten oder zu reduzieren. (as)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Quellen:

  • BA Kelsey D. Biddle, PhD Heidi I. L. Jacobs, BA Federico d’Oleire Uquillas, Benjamin S. Zide1, MPH Dylan R. Kirn et al.: Associations of Widowhood and β-Amyloid With Cognitive Decline in Cognitively Unimpaired Older Adults, in JAMA Network Open (Veröffentlicht 26.02.2020), JAMA Network Open


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