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Neu eingewanderte Zecken verfolgen ihre Beute über lange Distanzen


Dramatisch hohe Zeckenaktivität und Zunahme tropischer Zecken

In den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, dass die Zeckensaison aufgrund des milden Wetters immer früher startet. Auch dieses Jahr ist schon bald mit den Krabbeltieren zu rechnen. Die Spinnentiere können verschiedene Infektionskrankheiten übertragen. Sorgen bereitet eine neu eingewanderte Zeckenart, die ihre Beute über mehrere Hundert Meter verfolgen kann.

Der Frühling rückt näher – und mit ihm auch die Zeckensaison. Denn mit den ersten warmen Sonnenstrahlen gehen auch diese Spinnentiere wieder verstärkt auf Nahrungssuche. Dabei können sie auf Mensch oder Tier gefährliche Krankheiten übertragen wie vor allem die sogenannte Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).

Zahl der FSME-Erkrankungen ist zurückgegangen

Wie Zeckenexpertin Prof. Dr. Ute Mackenstedt von der Universität Hohenheim in einer Mitteilung erklärt, war 2019 zwar ein Jahr mit einer hohen Zeckenaktivität, dennoch ist die Zahl der FSME-Erkrankungen in Baden-Württemberg deutlich, in Bayern aber nur in geringem Maß zurückgegangen.

„Nachdem 2018 noch 607 Fälle von FSME-Erkrankungen gemeldet wurden, liegt die Zahl 2019 bei 462, also 145 Fälle weniger. Und die Ergebnisse zeigen, dass vor allem Baden-Württemberg für den Rückgang allgemein in Deutschland verantwortlich ist.“

Die Mehrheit der FSME-Infizierten (ca. 70 bis 95 Prozent) bleibt beschwerdefrei oder die zweite Krankheitsphase bleibt aus, erklärt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auf ihrem Portal „infektionsschutz.de“.

Krankheit kann tödlich enden

Laut den Fachleuten treten Krankheitszeichen einer FSME-Erkrankung typischerweise in zwei Phasen auf:

Zunächst zeigen sich grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen und ein allgemeines Krankheitsgefühl. Häufig ist zu diesem Zeitpunkt der Zeckenstich vergessen und die Beschwerden werden als Erkältung fehlgedeutet. Für den Großteil der Betroffenen ist die Erkrankung hiermit überstanden.

Bei einem Teil der Erkrankten kommt es nach etwa einer Woche zu einer Entzündung der Hirnhäute sowie des Gehirns (Meningoenzephalitis). Auch eine Rückenmarksentzündung kann auftreten. Krankheitszeichen sind erneutes Fieber, Übelkeit und Erbrechen und Ausfälle des Nervensystems. Schwere Verläufe können beispielsweise mit Lähmungen an Armen und Beinen, Schluck- und Sprechstörungen, Atemlähmungen und starker Schläfrigkeit einhergehen.

Als Folgeschäden können zum Beispiel Lähmungen, Kopfschmerzen, geringere Belastbarkeit und Gefühlsschwankungen noch mehrere Monate anhalten. Eine folgenlose Heilung ist auch spät noch möglich. Es kann aber auch zu bleibenden Schäden kommen. Etwa 1 von 100 Erkrankten mit Befall des Nervensystems stirbt an der Infektion.

Gegen die Frühsommer-Meningoenzephalitis gibt es keine ursächliche Behandlung. Doch es stehen Impfstoffe gegen FSME zur Verfügung.

Hyalomma erkennt Warmblüter auf Distanzen bis zu zehn Metern

2018 warnten Fachleute neben der dramatisch hohen Zeckenaktivität auch vor einer Zunahme tropischer Zecken in Deutschland, die eigentlich in Afrika, Asien und Südeuropa zuhause sind: Arten der Zeckengattung Hyalomma.

„Das Besondere an Hyalomma ist ihr Jagdverhalten“, sagt Prof. Ute Mackenstedt. „Anders als unsere heimischen Zecken wie der gemeine Holzbock klettert sie nicht an Gräsern oder Sträuchern hoch und lässt sich von Wildtieren oder Wanderern abstreifen“, erklärt die Wissenschaftlerin.

„Hyalomma jagt ihre Beute aktiv, erkennt Warmblüter auf Distanzen von bis zu 10 Metern und kann sie über mehrere 100 Meter verfolgen.“

Eine weitere Besonderheit, so die Expertin, seien die Krankheiten, welche Hyalomma überträgt und die sich ebenfalls von unseren heimischen Arten unterscheiden.

„In ihrem eigentlichen Verbreitungsgebiet ist Hyalomma dafür bekannt, den Erreger des sogenannten Krim-Kongo Hämorrhagischen Fiebers, des Arabisch Hämorrhagischen Fiebers und einer Form des Zecken-Fleckfiebers (Rickettsien) zu übertragen.“

Braune Hundezecke fühlt sich in Wohnungen wohl

Ebenfalls im Fokus der Fachleute: Die Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus).

„Die Braune Hundezecke ist wie Hyalomma ebenfalls eine invasive Art, die eigentlich neben dem Mittelmeerraum und Nordafrika in vielen Teilen der Tropen und Subtropen heimisch ist“, erklärt Prof. Mackenstedt.

„Sie liebt ein warmes und trockenes Klima, weshalb sie sich auch in unseren Wohnungen so wohl fühlt. Vor allem, wenn ein Hund in der Nähe ist.“ (ad)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Quellen:

  • Universität Hohenheim: Nach FSME-Höchststand 2018: Zahl der Erkrankungen gesunken – trotz hoher Zeckenaktivität, (Abruf: 16.02.2020), Universität Hohenheim
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): FSME, (Abruf: 16.02.2020), infektionsschutz.de


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