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Amanitine: Vom Pilzgift zum Wirkstoff gegen Krebs


Wirkstoffe aus dem Grünen Knollenblätterpilz zur Krebsheilung

Der Grüne Knollenblätterpilz (Amanita phalloides) ist extrem giftig. Bereits der Verzehr von geringen Mengen kann zum Tod durch Leberversagen führen. Ausgerechnet in diesem hochgiftigen Pilz schlummern heilbringende Inhaltsstoffe, die sich womöglich zur Krebstherapie eignen. Ein deutsches Forschungsteam konnte die sogenannten Amanitine nun synthetisieren und so im größeren Maßstab zugänglich machen.

Deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellten kürzlich eine neue Synthesemethode für α-Amanitin vor, einem Wirkstoff, der aus dem hochgiftigen grünen Knollenblätterpilz stammt. Durch die Synthese lassen sich Amanitine in höheren Mengen produzieren, was sie zugänglicher für die Krebsforschung macht. Denn Amanitine gelten als mögliche Wirkstoffkomponente bei Antikörper-basierten Krebstherapien. Die Studie wurde kürzlich in dem Fachjournal „Angewandte Chemie“ vorgestellt.

Wie können Amanitine zur Krebs-Heilung beitragen?

Wie das Forschungsteam berichtet, hemmen Amanitine das Enzym RNA-Polymerase II. Von diesem Enzym hängt das Leben jeder Zelle ab, da es die Neubildung von Zellen steuert. Die Hemmung führt zur Unterbrechung der Proteinsynthese und schließlich zum Zelltod. Würden Amantine mit Hilfe von Antikörpern in Krebszellen eingeschleust werden, könnten sie gezielt Tumoren bekämpfen.

Auch wenn dieser Zusammenhang schon länger bekannt ist, scheiterte die weitere Forschung in diesem Gebiet an der Verfügbarkeit der Amantine. Die neu entdeckte Synthese soll diese Lücke nun schließen.

Erst auseinandernehmen und dann wieder zusammensetzen

Forschende um Professor Dr. Roderich D. Süssmuth von der Technischen Universität Berlin stellen eine alternative Totalsyntheseroute für den Wirkstoff α-Amanitin vor, dem wirksamsten Amanitin. „Wir wählten dazu eine konvergente Route, das heißt, mehrere Bausteine werden zunächst unabhängig voneinander synthetisiert und am Ende zum Zielmolekül verknüpft“, fasst Forschungsleiter Süssmuth zusammen.

Der Grundstein für Amanitin-Wirkstoffe ist gelegt

„Unsere α-Amanitin-Synthese ist die erste, die vollständig in flüssiger Phase abläuft“, erklärt Süssmuth. Dies eröffne den Zugang zu größeren Mengen α-Amanitin, um dessen Eignung für Krebstherapien zu erforschen. Des Weiteren biete die Synthese eine Möglichkeit zur industriellen Herstellung von Wirkstoffen auf Amanitin-Basis. (vb)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Diplom-Redakteur (FH) Volker Blasek

Quellen:

  • Angewandte Chemie: Neue Syntheseroute für Amanitin, ein therapeutisch interessantes Pilzgift (veröffentlicht: 04.02.2020), onlinelibrary.wiley.com
  • Mary‐Ann J. Siegert, Caroline H. Knittel, Prof. Dr. Süssmuth: Eine konvergente Totalsynthese des Pilztoxins α‐Amanitin; in: Angewandte Chemie, 2019, onlinelibrary.wiley.com



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