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Lungenkrebs-Risiko: Ex-Raucher profitieren durch Lungen-Regeneration


Studie: So regeneriert sich die Lunge nach dem Rauchen

Rauchen ist das am weitesten verbreitete sowie das größte vermeidbare Krebsrisiko. Es ist allgemein bekannt, dass es gesünder ist, mit dem Rauchen aufzuhören. Ein Forschungsteam zeigte nun, dass ein Rauchstopp viel mehr ist, als eine Schadensbegrenzung. Die Lunge besitzt außergewöhnliche Regenerationsfähigkeiten, bei denen geschädigte Zellen durch gesunde ersetzt werden und so fortlaufend das Lungenkrebs-Risiko senken.

Forschende des Wellcome Sanger Institute in England entschlüsselten, mit welchen Mechanismen sich die Lunge vom Rauchen erholt. Das Team zeigte auch, dass Ex-Raucher viermal mehr genetisch gesunde Zellen haben als Raucher. Die Ergebnisse wurden kürzlich in dem renommierten Fachjournal „Nature“ publiziert.

Drei viertel aller Lungenkrebs-Fälle entstehen durchs Rauchen

Laut dem Wellcome Sanger Institute ist Lungenkrebs die häufigste Krebstodesursache in England. 21 Prozent aller durch Krebs verursachten Todesfälle sind durch Lungenkrebs bedingt. Das Rauchen schädigt das Erbgut (DNA) massiv und erhöht so das Lungenkrebsrisiko enorm. Über 70 Prozent aller Lungenkrebsfälle werden durch das Rauchen verursacht.

Rauchen verursacht genetische Fehler

In der Studie wurde erstmalig die genetischen Auswirkungen des Rauchens bei Rauchern und Ex-Rauchern untersucht. Die Forschenden sequenzierten die DNA von 632 einzelnen Zellen aus Biopsien und untersuchten das Muster der genetischen Veränderungen in den Lungenzellen.

Das Forschungsteam zeigte, dass durch das Rauchen insbesondere die DNA von Zellen geschädigt wird, die die Lunge auskleiden. Dadurch entstehen genetische Fehler, aus denen sich sogenannte Treibermutationen entwickeln können. Zellen mit einer solchen Mutation erhalten einen Wachstumsschub und beginnen, sich unkontrolliert zu vermehren, wodurch sich das Risiko auf Lungenkrebs stark erhöht.

Rauchen verändert 90 Prozent der Lungenzellen

Die genetischen Veränderungen sind der Studie zufolge so weitreichend, dass bei aktiven Rauchern mehr als neun von zehn Lungenzellen genetisch verändert sind. Zwar sei nicht jede genetische Veränderung krebsartig, aber jede vierte durchs Rauchen verursachte Mutation habe das Potenzial, krebsartig zu werden.

Ex-Raucher hatten unerwartet viele gesunde Lungenzellen

Als die Forschenden die Lungenzellen von Ex-Rauchern untersuchten, stellten sie erstaunt fest, dasss unerwartet viele Lungenzellen keine genetischen Veränderungen mehr aufweisen. Rund vierzig Prozent der Lungenzellen glich denen von Nichtrauchern. Ex-Raucher hatten viermal weniger genetische Schäden in den Lungenzellen als aktive Raucher.

Es ist nie zu spät aufzuhöhren

„Menschen, die 30, 40 oder mehr Jahre lang stark geraucht haben, sagen mir oft, dass es zu spät ist, mit dem Rauchen aufzuhören – der Schaden ist bereits angerichtet“, erläutert Dr. Peter Campbell aus dem Studienteam. Die aktuelle Studie belege jedoch, dass es nie zu spät ist, mit dem Rauchen aufzuhören. Einige Teilnehmende hatten laut Campbell über 15.000 Schachteln Zigaretten geraucht – aber einige Jahre, nachdem sie aufgehört hatten, zeigten viele der Lungenzellen keine Schäden mehr durch den Tabakkonsum.

Mini-Zeitbomben in Lungenzellen von Rauchern

„Wir fanden heraus, dass selbst gesunde Lungenzellen von Rauchern Tausende von genetischen Mutationen enthalten“, ergänzt Erstautorin Dr Kate Gowers. Diese Mutationen könne man als Mini-Zeitbomben betrachtet. Jede dieser Zellen könne krebsartig werden. In einer kommenden Studie will das Team untersuchen, wie aus genetisch veränderten Lungenzellen Krebs entsteht.

Ansatz für neue Krebsbehandlungen

„Unsere Studie ist eine wichtige Botschaft für die öffentliche Gesundheit und zeigt, dass es sich wirklich lohnt, mit dem Rauchen aufzuhören, um das Lungenkrebsrisiko zu senken“, unterstreicht Professor Sam Janes. Ein Rauchstopp sei mehr als nur eine Schadensbegrenzung, sondern fördere die Bildung von Zellen, die nicht durchs Rauchen geschädigt wurden.

„Die weitere Erforschung dieses Prozesses könnte dazu beitragen, zu verstehen, wie sich manche Zellen vor genetischen Mutationen und Krebs schützen“, so Janes. Dies könne möglicherweise zu neuen Krebstherapien führen.

Wer mit dem Rauchen aufhört, profitiert doppelt

„Es ist eine wirklich motivierende Idee, dass Menschen, die mit dem Rauchen aufhören, doppelt profitieren könnten“, ergänzt Dr. Rachel Orritt von Cancer Research UK. Zum einen werden weitere tabakbedingte Schäden an den Lungenzellen verhindert und zum anderen werden bestehende Schäden mit der Zeit durch gesündere Zellen ausgeglichen.

Hilfe beim Aufhören finden Sie in dem Artikel: Das Rauchen aufgeben.

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Diplom-Redakteur (FH) Volker Blasek

Quellen:

  • Wellcome Sanger Institute: Never too late to quit: protective cells could cut risk of lung cancer for ex-smokers (veröffentlicht: 29.01.2020), sanger.ac.uk
  • Kate H. C. Gowers, Sam M. Janes, Peter J. Campbell, u.a.: Tobacco smoking and somatic mutations in human bronchial epithelium; in: Nature 2020, nature.com


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