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Studie: Was Gene über vorhandene Krankheitsrisiken verraten


Wird die Genom-Medizin der neue Standard der Schulmedizin?

Die Erforschung der Genetik hat in den letzten 25 Jahren gewaltige Fortschritte gemacht. Damit hat sich auch das Verständnis für eine Vielzahl von Krankheitsbildern verändert, von Diabetes über chronisch entzündliche Darmerkrankungen bis hin zu Krebs – eine aktuelle Studie fasst die neuen Erkenntnisse der Genom-Medizin zusammen.

Forschende des amerikanischen Krankenhausnetzwerkes Mount Sinai fassten die Entdeckungen der letzten 25 Jahre in der menschlichen Genetik zusammen und zeigten in der Übersichtsarbeit, wie sich diese Erkenntnisse für die zukünftige Medizin nutzen lassen. Die Studie wurde kürzlich in dem renommierten Fachjournal „Nature“ veröffentlicht.

Bestimmte Gene deuten auf Krankheiten hin

Genetische Entdeckungen haben in den letzten 25 Jahren sowohl das Verständnis für seltene sowie für häufige Krankheitsbilder als auch die Entwicklung von Behandlungen und die Prävention von Erkrankungen erheblich vorangetrieben. Die aktuelle Mount Sinai-Forschungsarbeit gibt einen Überblick über Verbindungen zwischen spezifischen Genen und bestimmten Krankheiten. Diese Übersicht soll zur Verbesserung der klinischen Versorgung in diesem Bereich beitragen.

Genetik öffnet die Tür zur personalisierten Medizin

„Die Zukunft der Medizin wird sich zunehmend auf eine Versorgung konzentrieren, die auf die genetische Ausstattung und die Muster des Einzelnen zugeschnitten ist“, erläutert Judy H. Cho, Dekanin für Translationsgenetik sowie Direktorin des Charles Bronfman Institute for Personalized Medicine. „Die Anwendung dieses Wissens wird uns helfen, die personalisierte Gesundheit und Medizin in den kommenden Jahren zu verbessern“.

Wie können uns die genetischen Erkenntnisse helfen?

Die Forschenden berichten, dass das Wissen über die Genetik einer Person maßgeblich dabei helfen kann, Krankheiten zu entdecken und zu identifizieren. Durch die zunehmende Verfügbarkeit großer Biobanken könnten Krankheiten aus genetischer Sicht immer deutlicher charakterisiert werden. So könnte beispielsweise schon bei Säuglingen oder Embryos ein grundlegendes Risiko für bestimmte Krankheiten bestimmt oder das Krebsrisiko einer Person genauer eingeschätzt werden.

Welche Hürden gibt es?

Das Forschungsteam hält die Umsetzung der Erkenntnisse auf breiter Ebene für die größte Aufgabe des kommenden Jahrzehnts. Denn was derzeit theoretisch möglich ist, findet Größtenteils noch gar keine Anwendung. Hierfür seien gemeinsame Anstrengungen von Industrie und Wissenschaft erforderlich, um neue Methoden zu etablieren.

Jeder für sich oder alle zusammen?

Durch eine bessere Zusammenarbeit und weltweite Vernetzung in diesem Gebiet, wäre es der Studie zufolge möglich, eine systematische Bewertung von Genen und Gen-Varianten zu erstellen und diese mit bestimmten Krankheitsbildern zu verknüpfen. Damit könnten verbesserte Strategien zur Umsetzung von Grundlagenwissen erstellt werden, um neue Behandlungs- und Präventionsoptionen voranzutreiben. Dies könne sowohl Einzelpersonen als auch ganzen Gesellschaften auf der ganzen Welt zugute kommen, resümieren die Forschenden. (vb)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Diplom-Redakteur (FH) Volker Blasek

Quellen:

  • Melina Claussnitzer, Judy H. Cho, Rory Collins, u.a.: A brief history of human disease genetics; in: Nature, 2020, nature.com
  • Mount Sinai: Researchers identify opportunities to advance genomic medicine (Veröffentlichung: 27.01.2020), eurekalert.org



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