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Alzheimer: Neue Therapiemethode kann Gehirnleistung deutlich verbessern


Mit neuer Ultraschall-Methode die Gehirnleistung bei Alzheimer deutlich verbessern

Morbus Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz. Durch das Absterben von Nervenzellen im Gehirn werden Erkrankte zunehmend vergesslich, verwirrt und orientierungslos. Forschende berichten nun, dass die Gehirnleistung von Menschen mit Alzheimer mit einer neuen Therapiemethode deutlich verbessert werden kann.

Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Form der Demenz. Allein in Deutschland sind davon rund 1,2 Millionen Menschen betroffen. Stoppen lässt sich die Erkrankung bislang nicht. Doch es gibt Möglichkeiten, Alzheimer und ihre Folgeerscheinungen zu behandeln. Auch eine neue Ultraschall-Methode könnte dabei helfen.

Nervenzellen des Gehirns gehen zugrunde

Wie die Medizinische Universität (MedUni) Wien in einer aktuellen Mitteilung schreibt, gehen bei neurologischen Erkrankungen wie der Alzheimer Demenz, der Parkinson-Krankheit oder der Multiplen Sklerose (MS) ständig Nervenzellen des Gehirns zugrunde, dadurch kommt es zum Beispiel zu Erinnerungslücken, Sprachstörungen, Stimmungsschwankungen oder reduzierter Bewegungsfähigkeit sowie dem Muskelzittern bei Parkinson.

Nach sechsjähriger Entwicklungszeit haben Forschende der MedUni Wien von der Universitätsklinik für Neurologie unter Leitung von Roland Beisteiner jetzt eine weltweit neue Therapiemethode entwickelt.

Den Angaben zufolge kann man erstmals mit Hilfe von Ultraschall nicht-invasiv in alle Bereiche des Gehirns eindringen und jene Nervenzellen aktivieren, die zur Regeneration von Hirnfunktionen beitragen können. Erste Daten zeigen, dass sich dadurch die Leistung des Gehirns verbessern lässt.

Transkranielle Pulsstimulation mit Ultraschall

Die neue Methode wird als transkranielle Pulsstimulation mit Ultraschall (TPS) bezeichnet. Sie wurde gemeinsam mit dem Schweizer Unternehmenspartner Storz Medical und dem dortigen Projektleiter Ernst Marlinghaus neu entwickelt.

„Die TPS macht es weltweit erstmalig möglich, mit einem Ultraschall-Puls direkt am Schädelknochen, nicht-invasiv, schmerzfrei und bei vollem Bewusstsein in alle Bereiche des Gehirns vorzudringen und dort ganz gezielt Hirn-Areale anzusteuern und diese zu aktivieren“, erläutert Beisteiner.

Die Studie war Teil des interuniversitären Clusters von Roland Beisteiner und Tecumseh Fitch, welcher über Hirnstimulation versucht, geistige Funktionen von Patientinnen und Patienten zu verbessern, und gemeinsam von MedUni Wien und Universität Wien betrieben wird. Hierfür muss individuell und mit hoher Präzision vorgegangen werden.

Mit den bisher zur Verfügung stehenden elektromagnetischen Methoden, wie beispielsweise der transkraniellen Magnetstimulation (TMS), bei der Magnetfelder auf das Gehirn wirken, um Nervenzellen zu aktivieren oder auch zu hemmen, war die notwendige gezielte und tiefgehende Stimulation aber nicht möglich.

Eine zunehmend verwendete invasive Methode bei schwereren Erkrankungen ist das Einsetzen von Stimulationselektroden in tiefe Hirnareale (Deep Brain Stimulation (DBS)) – verbunden mit einer langwierigen OP. Eine große Hoffnung ist nun, dass TPS auch invasive Verfahren in Zukunft teilweise ersetzen kann.

Die Gedächtnisleistung steigt

Den Angaben zufolge ist der Aktivierungspuls, der vom Ultraschallgerät ausgeht, drei bis fünf Millimeter breit und ca. drei Zentimeter lang. Zuvor wird vom Gehirn der oder des Betroffenen mittels Magnetresonanz eine exakte „Landkarte“ erstellt.

„Ganz im Sinn der Präzisionsmedizin wird dann jenes Areal punktgenau anvisiert, das aktiviert werden muss. Bei jedem Patienten können diese Areale anders liegen. Dank eines Navigationssystems kann der behandelnde Neurologe am Bildschirm genau mitverfolgen, wo der Puls ansetzen muss und alles genau steuern“, so Beisteiner.

Wie in der Mitteilung erklärt wird, führt der TPS Puls zu kurzfristigen Membranveränderungen an den Hirnzellen, wodurch die Konzentration von Transmittern und anderen biochemischen Stoffen lokal verändert wird. Die Konsequenz ist eine Aktivierung von Nervenzellen und Aufbau kompensatorischer Netzwerke, die die erkrankte Hirnfunktion verbessern.

Dies konnte auch schon in umfangreichen Laborstudien gezeigt werden. Die Folge: Das Gedächtnisnetzwerk wird angetrieben und die Gedächtnisleistung steigt. Einige Patientinnen und Patienten berichten auch von deutlicher Stimmungsverbesserung, es fällt ihnen wieder leichter, körperlich aktiv zu sein und sich an Unterhaltungen aktiv zu beteiligen.

„Es ist, als ob man einen alten Motor wieder anwirft. Jene Nervenzellen, die noch aktivierbar sind, zeigen danach deutliche Verbesserungen. Dadurch wird der Leistungsabfall gebremst“, sagt Beisteiner.

Verschiedene mögliche Einsatzbereiche

Neben Alzheimer, Parkinson oder MS sind alle Erkrankungen, welche sich durch Aktivierung noch funktionierender Nervenzellen verbessern lassen, mögliche Einsatzbereiche von TPS. Gleichzeitig ist die TPS laut Beisteiner eine „Zusatzchance“ für die Betroffenen, da alle laufenden Therapien mit Medikamenten und Physio- oder Ergotherapie weitergeführt werden können.

Die neue Methode ist jedoch auch für die neurowissenschaftliche Grundlagenforschung bedeutsam. Für die Verbesserungen der Gehirnleistung reichten in der klinischen Pilotstudie, die im Fachmagazin „Advanced Science“ veröffentlicht wurde, sechs Sitzungen zu je einer Stunde und das im Verlauf von zwei Wochen.

Sollten sich die Pilotergebnisse bestätigen, wird von einem Durchbruch bei Behandlungsmöglichkeiten für Hirnerkrankungen ausgegangen. Bevor diese Methode aber in den regulären Einsatz in der Klinik gelangen kann, sind noch weitere wissenschaftliche Studien zur Evaluierung der Ergebnisse notwendig. (ad)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Quellen:

  • Medizinische Universität Wien: Alzheimer: Mit neuer Ultraschall-Methode die Gehirnleistung deutlich verbessern, (Abruf: 13.01.2020), Medizinische Universität Wien
  • Roland Beisteiner, Eva Matt, Christina Fan, Heike Baldysiak, Marleen Schönfeld, Tabea Philippi-Novak, Ahmad Amini, Tuna Aslan, Raphael Reinecke, Johann Lehrner, Alexandra Weber, Ulrike Reime, Cédric Goldenstedt, Ernst Marlinghaus, Mark Hallett, Henning Lohse-Busch: Transcranial Pulse Stimulation with Ultrasound in Alzheimer's Disease—A New Navigated Focal Brain Therapy; in: Advanced Science, (Veröffentlichung: 23.12.2019), Advanced Science


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