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Cholesterinsenker: Statine sollen Risiko für Herzerkrankungen und Krebs reduzieren


Nicht nur als Cholesterinsenker: Statine könnten Nutzen gegen Krebs haben

Statine kommen zum Einsatz, um bei Patientinnen und Patienten den Cholesterinspiegel zu senken und so das Risiko für Herzerkrankungen zu reduzieren. Fachleute aus den USA berichten nun über eine wachsende Zahl von Belegen, denen zufolge die Cholesterinsenker auch einen zusätzlichen Nutzen gegen Krebs haben könnten.

Laut einer Mitteilung der American Heart Association haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen möglichen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Statinen und Krebs untersucht. Frühere Tierstudien, in denen gezeigt wurde, dass Statine das Krebswachstum bei Nagetieren ankurbeln können, gaben zunächst Anlass zur Sorge.

Bisherige Befürchtungen entkräftet

Die Ergebnisse von Beobachtungsstudien und randomisierten kontrollierten Studien zur Untersuchung der Wirkung von Statinen auf Herzkrankheiten haben jedoch die Befürchtungen entkräftet. Diese wissenschaftlichen Arbeiten zeigten keine höheren Krebsraten.

Tatsächlich haben sie darauf hingewiesen, dass Menschen, die Statine einnehmen, mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit an Prostatakrebs erkrankt sind und nach einer Brust-, Darm-, Nieren- oder Lungenkrebsdiagnose länger leben als Menschen, die keine Statine einnehmen.

Studie zeigt positive Ergebnisse durch Statin-Einnahme

Viele Forschende untersuchen weiterhin die Beziehung zwischen Statinen und Krebs. Unter ihnen ist Dr. Chiara Melloni, eine außerordentliche Professorin an der Duke University School of Medicine in Durham, North Carolina.

Sie und ihre Kolleginnen und Kollegen untersuchten, ob die Verwendung von Statinen die Ergebnisse bei Menschen mit Darmkrebs beeinflusst.

Sie analysierten die Krankenakten von 29.498 Personen, bei denen von 2001 bis 2011 Darmkrebs diagnostiziert worden war. Nach etwa fünf Jahren Nachuntersuchung war die Wahrscheinlichkeit, bei denen, die zum Zeitpunkt ihrer Krebsdiagnose Statine einnahmen, um 31 Prozent geringer aus irgendeinem Grund zu sterben und 38 Prozent geringer, an Darmkrebs zu sterben, als bei denjenigen, die solche Medikamente nicht einnahmen.

„Die vorläufigen Ergebnisse bestätigen, dass Statine einen Vorteil für das Gesamtüberleben von Darmkrebspatienten haben können“, sagte Melloni, die die Forschung im November auf der Scientific Sessions-Konferenz der American Heart Association präsentierte.

Bei Sitzungen vorgestellte Forschungsergebnisse gelten als vorläufig, bis sie in einer medizinischen Fachzeitschrift veröffentlicht werden. Bislang wurden die Ergebnisse in der Zeitschrift „Circulation“ der American Heart Association publiziert.

Besserer Schutz vor Tod durch Darmkrebs

Dr. Ronac Mamtani, ein Onkologe an der Perelman School of Medicine der Universität von Pennsylvania in Philadelphia, der nicht an der Forschung beteiligt war, sagte, dass diese neuesten Erkenntnisse anderen Studien bei Brust-, Prostata- und Darmkrebs ähneln, die zeigen, dass sich bei denen, die Statine einnehmen, bessere Ergebnisse einstellen.

Was er jedoch als „besonders auffällig“ an der neuen Studie bezeichnete, war, dass Statine anscheinend besser vor dem Tod durch Darmkrebs schützen als vor Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Die Statin-Einnahme verringerte das Risiko eines Herzinfarkts um neun Prozent und eines Schlaganfalls um 23 Prozent. Die Zahl der Zahl der Todesfälle durch Darmkrebs wurde durch die Medikamente aber sogar um 40 Prozent reduziert.

Bisherige Ergebnisse sind nicht eindeutig

Melloni sagte, ihr Team beabsichtige, die Daten weiter zu analysieren, um festzustellen, ob bestimmte Statine oder Statindosen zu besseren Ergebnissen führten. Seit 1987 wurden acht Statine von der US-Arzneimittelbehörde FDA (Food and Drug Administration) zugelassen.

Das Team von Melloni wird auch prüfen, ob der Grund für die Einnahme eines Statins – entweder zur Vorbeugung oder zur Behandlung von Herzerkrankungen – Auswirkungen auf die Ergebnisse hat.

Bisherige Forschungsergebnisse deuten auf die Wirkung von Statinen gegen Krebs hin, sind jedoch nicht eindeutig.

Weitere Forschung nötig

Wie Mamtani erklärte, könnte das in diesen Studien beobachtete verbesserte Überleben auf verschiedene Gründe zurückzuführen sein.

Eine Rolle könnte auch spielen, dass Menschen, die Statine einnehmen, möglicherweise einen gesünderen Lebensstil pflegen, als diejenigen, die dies nicht tun, was zu einem geringeren Krebsrisiko beiträgt oder ihnen hilft, nach einer Krebsdiagnose länger zu leben.

Mamtani meint, es wird interessant sein, zu sehen, wie die Autoren mit solchen Annahmen bei der Veröffentlichung der vollständigen Ergebnisse umgehen.

Wie es in der Mitteilung abschließend heißt, wäre der beste Test für die Statin-Krebs-Verbindung eine klinische Studie, bei der gesunde Menschen zufällig einem Statin oder einem Placebo zugeordnet werden und anschließend geprüft wird, ob diejenigen, die das Statin einnehmen, mit geringerer Wahrscheinlichkeit Krebs entwickeln oder nach einer Krebsdiagnose länger leben als die, die ein Placebo nehmen.

Eine solche Studie „kann uns helfen, herauszufinden, wer wirklich davon profitiert“, sagte Melloni. (ad)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Quellen:

  • American Heart Association: Statins may do double duty on heart disease and cancer, (Abruf: 07.01.2020), American Heart Association
  • Chiara Melloni, Gretchen G Kimmick, Taofik Oyekunle, Leah L Zullig, Michel G Khouri, Lauren Howard, Michael J Kelley, Susan F Dent: Statin Use is Associated With Increased Overall Survival in Patients With Colorectal Cancer: Findings From a Cohort of 29,498 United States Veterans, in: Circulation (veröffentlicht 11.11.2019), Circulation


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