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Verbrennungen, Knalltrauma und Feinstaub: Ist Silvesterfeuerwerk alternativlos?


Silvesterfeuerwerk: Schön – aber schlecht für Umwelt und Gesundheit

Zum Jahreswechsel wird der Himmel wieder in bunten Farben erstrahlen. Die glitzernden Raketen erfreuen zwar meist Groß und Klein, doch durch das Silvesterfeuerwerk drohen auch Gesundheitsgefahren. Zudem wird die Umwelt stark belastet.

Ein Feuerwerk ist zwar schön anzusehen, es hat aber auch negative Seiten: Es produziert Unmengen von Dreck und Abfall, verpestet die Luft und hat immer wieder unliebsame gesundheitliche Folgen wie Verbrennungen, Augenverletzungen und Hörschädigungen. Daher sprechen sich viele Fachleute für ein Böller-Verbot aus.

Tausende Menschen müssen ärztlich versorgt werden

Wie das Umweltbundesamt auf seiner Webseite erklärt, werden jährlich rund 4.200 Tonnen Feinstaub (PM10) durch das Abbrennen von Feuerwerkskörpern frei gesetzt, der größte Teil davon in der Silvesternacht.

Den Angaben zufolge entspricht diese Menge in etwa 25 Prozent der jährlich durch Holzfeuerungen und ca. zwei Prozent der gesamt freigesetzten Feinstaubmenge in Deutschland.

Es ist lange bekannt, dass das Einatmen von Feinstaub die menschliche Gesundheit gefährdet. „Die Wirkungen reichen von vorübergehenden Beeinträchtigungen der Atemwege über einen erhöhten Medikamentenbedarf bei Asthmatikern bis zu Atemwegserkrankungen und Herz-Kreislauf-Problemen“, schreibt das Umweltbundesamt.

Zudem müssen jedes Jahr Tausende Menschen wegen Verletzungen durch Feuerwerkskörper ärztlich behandelt werden.

Über Alternativen nachdenken

So erleiden Tausende Menschen ein Knalltrauma, wenn ein Böller zu laut ist oder zu nah an den Ohren explodiert, erläutert die Barmer Krankenkasse in einer Mitteilung. Folge davon sind häufig Schäden im Ohr oder sogar ein dauerhafter Hörverlust.

„Wir sollten schon allein aus medizinischen Gründen darüber nachdenken, ob Raketen und Böller alternativlos sind, das neue Jahr zu begrüßen“, sagt Dr. Utta Petzold, Ärztin bei der Barmer.

Verschiedene Anzeichen für ein Knalltrauma

Wer auf Feuerwerk nicht verzichten wolle, solle sich laut der Medizinerin zumindest der Risiken bewusst sein. Bleibende Schäden durch ein Knalltrauma könnten schon ab etwa 140 Dezibel entstehen.

„Aus medizinischer Sicht ist es sinnvoll, dass in Deutschland zertifizierte Böller nur bis 120 Dezibel zugelassen sind“, erläutert Petzold.

Komme es trotz Vorsicht und genügend Abstand nach der Silvesterböllerei dennoch zu Symptomen wie schlechtem Hören, einem Gefühl verstopfter Ohren, Schwindelgefühlen oder Pfeifen im Ohr, könnten dies Anzeichen für ein Knalltrauma sein.

Schmerzhafte Brandverletzungen

Aber nicht nur ein Knalltrauma könne zur schmerzlichen Erinnerung an die Silvesternacht werden. „Dringen Schmauchspuren in die Haut ein, sollten sie sofort von einem Mediziner entfernt werden“, mahnt Petzold.

Denn sonst bestehe die Gefahr, dass die körpereigenen Abwehrzellen Rußpartikel aufnähmen und eine schwer zu beseitigende „Tätowierung“ aus Schmutz entstehe.

Wenn die Böllerei zu Brandverletzungen führe, solle man diese einige Minuten kühlen, am besten unter fließendem Leitungswasser. Eis oder sehr kaltes Wasser seien dafür nicht geeignet. Zudem solle man Verbrennungen nicht mit Puder oder Cremes behandeln, da sie die Wunde verklebten.

Offene Brandblasen sollten mit einem sterilen Wundverband abgedeckt und dann ärztlich versorgt werden, rät die Expertin. (ad)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Quellen:

  • Umweltbundesamt: Dicke Luft zum Jahreswechsel, (Abruf: 31.12.2019), Umweltbundesamt
  • Barmer: Silvesterfeuerwerk: Hübsch, aber auch alternativlos?, (Abruf: 31.12.2019), Barmer


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