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Augenverletzungen durch Silvester-Feuerwerk: Augenärzte fordern Böller-Verbot


Unsere Augen sind Silvester besonders gefährdet

Laut einer aktuellen Studie sind unsere Augen in der Silvester-Nacht besonders stark gefährdet. Insbesondere Kinder, Jugendliche und Unbeteiligte sind einer aktuellen Umfrage zufolge besonders oft von Augenverletzungen durch Feuerwerkskörper betroffen. Augenlid-, Hornhaut- oder Bindehaut-Verletzungen treten häufig auf, in schweren Fällen kommt es zu Prellungen und Rissen am Augapfel. Augenfachleute raten deshalb zu stärkeren Schutzmaßnahmen.

Rund drei Viertel der Verletzungen, die in der Silvester-Nacht durch Feuerwerkskörper entstehen, sind Augenverletzungen. Jede vierte Augenverletzung ist schwer und erfordert eine stationäre Aufnahmen bis hin zu Notoperationen. Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) fordert stärkere Schutzmaßnahmen, die vom Tragen von Schutzbrillen über verbesserte Aufklärung bis hin zu einem Verbot von privatem Feuerwerk reichen sollen.

Drei Viertel der Feuerwerks-Verletzungen betreffen das Auge

51 Kliniken beteiligten sich an einer Umfrage zu Verletzungen durch Feuerwerkskörper der letzten drei Jahre. Dabei zeigte sich, dass drei Viertel der Patientinnen und Patienten wegen Verletzungen an Augenlid, Hornhaut oder Bindehaut behandelt werden mussten. „Mitunter kam es zusätzlich zu Trommelfellschäden oder Verletzungen an der Lunge, im Gesicht oder an Händen, die im Extremfall sogar eine Amputation nach sich zogen“, schreibt die DOG in einer Pressemitteilung zu der Umfrage.

Von Feuerwerkskörper gehen gleich drei Risiken aus

„Feuerwerkskörper können durch die Dreifach-Kombination von Hitze, Impuls und Chemikalien sehr komplexe Schäden bewirken“, betont Augenärztin Dr. med. Ameli Gabel-Pfisterer. Nicht selten seien die Konsequenzen gravierend. Rund 40 Prozent der schweren Verletzungen durch Feuerwerkskörper ziehen dauerhafte Folgen wie Sehverschlechterung oder Narbenbildung nach sich. Gerade bei Jugendlichen, die gerade erst am Beginn ihres Berufslebens stehen, seien solche bleibenden Schäden folgenschwer.

Typisches Opfer: Junge Männer

Aus der Analyse von 1356 Feuerwerkskörper-Verletzungen ging hervor, dass drei Viertel aller Betroffenen männlich sind. „Von allen Patienten, die sich in eine Klinik begeben mussten, sind rund 60 Prozent 25 Jahre oder jünger“, betont Professor Dr. Daniel Böhringer von der Universitäts-Augenklinik Freiburg. Davon wiederum liege der Anteil von Kindern und Jugendlichen im Alter von ein bis 17 Jahren bei fast 40 Prozent. „Jungen und junge Männer haben ein deutlich höheres Risiko für die schweren, operativ zu versorgenden Verletzungen“, ergänzt Böhringer.

Verletzungsursache unterscheidet sich bei Kindern und Erwachsenen

Die Untersuchung gab auch Aufschluss über die Ursache der Verletzungen. Während sich Kinder und Jugendliche vorwiegend an Knallkörpern und Böllern verletzen, sind die Verletzungen bei Erwachsenen oftmals auf Raketen zurückzuführen. „Kinder sammeln häufig Böller vom Boden auf oder behalten sie zu lange in der Hand“, warnt Studienautorin Gabel-Pfisterer. Das Risiko für kombinierte Verletzungen an den Augen, den Händen und im Gesicht sei dadurch viermal so hoch.

Bessere Aufklärung gefordert

„Es handelt sich um hochgefährliches Material, und auch Lehrer und Erzieher sollten das Thema aufgreifen“, so die Augenärztin. Vor allem Eltern sollten unbedingt mit ihren Kindern sprechen und sie eindringlich vor den Gefahren warnen.

Es gibt keine harmlose Pyrotechnik

Die Ärztinnen und Ärzte warnen auch vor vermeintlich ungefährlicher Pyrotechnik wie Wunderkerzen und Bengalischen Lichtern. „In bis zu 30 Prozent der Fälle führen Bengalische Lichter oder Wunderkerzen zu Verletzungen, in einzelnen Fällen sogar die herabfallenden Reste von abgebrannten Feuerwerkskörpern“, ergänzt Professor Dr. Hansjürgen Agostini von der Universitäts-Augenklinik Freiburg.

Das Zuschauen an sich stellt ein Risiko dar

„Über alle Untersuchungsjahre hinweg gaben rund 60 Prozent der Patienten an, den Feuerwerkskörper nicht selbst gezündet zu haben“, so Agostini. Bedauerlicherweise seien auch 60 Prozent der verletzten Kinder am Feuerwerk unbeteiligt gewesen.

Feuerwerkskörper als Waffe

Einige Unfallopfer berichteten sogar davon, absichtlich mit den Feuerwerkskörpern beworfen worden zu sein. „Absichtliche Angriffe auf Unbeteiligte sind katastrophal, das gilt auch für Attacken auf Rettungspersonal, die neuerdings stattfinden“, kritisiert Professor Agostini. Dies sei besonders alarmierend.

Weitreichende Schutzmaßnahmen gefordert

Aufgrund der aktuellen Studienergebnisse fordern die DOG sowie der Berufsverband der Augenärzte (BVA) weitreichende Maßnahmen, um die Zahl der Opfer zu reduzieren. „Wir befürworten Aufklärungskampagnen über die Risiken und die gleichzeitige Abgabe von Schutzbrillen mit Feuerwerkskörpern“, fordert Dr. Peter Heinz, 1. Vorsitzender des BVA. Darüber hinaus wollen die Verbände die Diskussion über ein generelles Verbot von privatem Feuerwerk vorantreiben.

DOG-Präsident: „Weniger ist mehr“

„Feuerwerk gehört in die Hände professioneller Pyrotechniker“, betont DOG-Präsident Professor Dr. Hans Hoerauf. Ein erster sinnvoller Schritt sei eine strikte Einhaltung des Abgabe- und Weitergabe-Verbots von Feuerwerkskörpern der Kategorie 2 an Minderjährige, eine deutliche Begrenzung der Nutzungszeit wie in Holland sowie eine Ausweitung der feuerwerksfreien Zonen, so die Forderungen der Verbände. „Das verringert nicht zuletzt auch die erhebliche Feinstaubbelastung in den Silvesternächten“, resümiert Gabel-Pfisterer. (vb)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Diplom-Redakteur (FH) Volker Blasek

Quellen:

  • A. Gabel-Pfisterer, D. Böhringer, H. Agostini: Dreijahresergebnisse der deutschlandweiten Umfrage zu Augenverletzungen durch Feuerwerkskörper3-year results of the German nationwide survey on eye injuries caused by fireworks. Der Ophthalmologe. 2019, researchgate.net


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