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Hypertonie: Bluthochdruck durch lange Arbeitszeiten und Überstunden


Lange Büro-Arbeitszeiten erhöhen das Bluthochdruck-Risiko

Wenn Büroangestellte lange arbeiten, erhöht dies laut einer aktuellen Studie das Risiko einen hohen Blutdruck zu entwickeln, einschließlich einer maskierten Hypertonie, die während Routineuntersuchungen beim Arzt oft unentdeckt bleibt.

Bei der aktuellen Untersuchung der Laval University in Quebec wurde festgestellt, dass lange Arbeitszeit im Büro mit einem erhöhten Risiko für einen hohen Blutdruck verbunden sind. Die Ergebnisse der Studie wurden in der englischsprachigen Fachzeitschrift „Hypertension“ publiziert.

Gefahr durch Bluthochdruck sollte nicht unterschätzt werden

Lange Arbeitszeiten im Büro sind bei Angestellten mit einer größeren Wahrscheinlichkeit von einem hohen Blutdruck verbunden. Bluthochdruck betrifft fast die Hälfte der Amerikaner ab dem Alter von 18 Jahren. Bluthochdruck kann zum Tod der betroffenen Personen führen.

Was ist maskierte Hypertonie?

Ungefähr 15 bis 30 Prozent der Erwachsenen in den USA leiden an einer Art der Erkrankung, welche als maskierte Hypertonie bezeichnet wird. Dies bedeutet, dass ihre Bluthochdruckwerte während der Besuche in Kliniken und Praxen normal sind, es liegen aber erhöhte Werte vor, wenn der Blutdruck anderswo gemessen wird.

Mehr als 3.500 Angestellte nahmen an der Studie teil

An der neuen Studie, die von einem kanadischen Forschungsteam durchgeführt wurde, nahmen mehr als 3.500 Angestellte von drei öffentlichen Einrichtungen in Quebec teil. Verglichen mit Menschen, welche weniger als 35 Stunden pro Woche arbeiteten, war die Arbeit von 49 oder mehr Stunden pro Woche mit einer 70 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit verbunden, eine verdeckte Hypertonie zu haben, und mit einem 66 Prozent höheren Risiko, dass die Blutdruckwerte in und außerhalb des klinischen Umfelds dauerhaft erhöht sind.

Wie wirkte sich Arbeitszeit zwischen 41 und 48 Stunden aus?

Die Arbeit zwischen 41 und 48 Stunden pro Woche war mit einer 54 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit für eine maskierte Hypertonie und einer 42 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit für eine anhaltende Hypertonie verbunden, verglichen mit weniger als 35 Stunden arbeitenden Menschen. Die Ergebnisse berücksichtigten auch Variablen wie Arbeitsbelastung, Alter, Geschlecht, Bildungsniveau, Beruf, Raucherstatus, Body-Mass-Index und andere Gesundheitsfaktoren.

Bluthochdruck begünstigt Herz-Kreislauf-Erkrankungen

„Sowohl maskierter als auch anhaltender Bluthochdruck sind mit einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden”, berichtet Studienautor Dr. Xavier Trudel von der Laval University in Quebec, Kanada in einer Pressemitteilung.

Risiko war für Männer und Frauen etwa gleich

Insgesamt hatten fast 19 Prozent der Arbeitenden Bluthochdruck, darunter auch Menschen, welche bereits Medikamente gegen Bluthochdruck einnahmen. Mehr als 13 Prozent der Teilnehmenden litten unter einem maskierten Bluthochdruck und wurden nicht wegen Bluthochdruck behandelt. Der Zusammenhang zwischen langen Arbeitszeiten und Bluthochdruck war in der Studie für Männer und Frauen etwa gleich.

Einschränkungen der Studie

Die Studie schloss keine Menschen mit ein, welche nach Stunden bezahlt werden und manuelle Arbeit in Landwirtschaft, Fertigung, Bauwesen, Bergbau, Instandhaltung oder Gastgewerbe leisten. Daher spiegeln die Ergebnisse möglicherweise nicht die Auswirkungen auf den Blutdruck durch Schichtarbeit oder Positionen mit höheren körperlichen Anforderungen wider.

Schwächen und Stärken der Studie

Weitere Einschränkungen bei der Studie waren, dass die Blutdruck-Messung nur tagsüber erfolgte. Außerdem wurde zusätzliche Arbeitsstunden, die außerhalb des primären Arbeitsplatzes geleistet wurden, nicht mitberücksichtigt. Die Studie hatte allerdings auch viele Stärken, wie beispielsweise die Berücksichtigung von vielen Faktoren, welche den Blutdruck beeinflussen können, wiederholte Tests über mehrere Jahre hinweg und die Verwendung tragbarer Messgeräte.

Lange Arbeitszeiten beeinträchtigen die Herzgesundheit

„Menschen sollten sich bewusst sein, dass lange Arbeitszeiten ihre Herzgesundheit beeinträchtigen können, und wenn sie lange arbeiten, sollten sie ihren Arzt fragen, ob er ihren Blutdruck mit einem tragbaren Messgerät über längere Zeit kontrollieren kann”, erklärt Dr. Trudel.

Maskierter Bluthochdruck verzögert die Diagnose

Maskierter Bluthochdruck kann jemanden über einen längeren Zeitraum hinweg beeinträchtigen und ist langfristig mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden. Es hat sich gezeigt, dass über fünf Jahre hinweg etwa einer von fünf Menschen mit maskiertem Bluthochdruck in einem klinischen Umfeld nie einen hohen Blutdruck aufwies, was die Diagnose und Behandlung möglicherweise verzögert. (as)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Quellen:

  • Long work hours at the office linked to both regular and hidden high blood pressure, American Heart Association (Abfrage: 19.12.2019), American Heart Association
  • Xavier Trudel, Chantal Brisson, Mahée Gilbert-Ouimet, Michel Vézina ,Denis Talbot, Alain Milot: Long Working Hours and the Prevalence of Masked and Sustained Hypertension, in Hypertension (Abfrage: 19.12.2019), Hypertension


Video: Was passiert bei Bluthochdruck? Odysso - Wissen im SWR (Juli 2021).