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Herzschwäche: Wirkstoff aus rotem Fingerhut soll die Therapie verbessern


Therapie von Herzinsuffizienz soll verbessert werden

Laut Fachleuten leiden rund drei Millionen Menschen in Deutschland an einer chronischen fortgeschrittenen Herzschwäche (Herzinsuffizienz). Mit der richtigen Therapie lässt sich der Verlauf der Erkrankung heutzutage meist deutlich verbessern. Ein wichtiger Behandlungsbestandteil ist die Einnahme von Medikamenten. In einer großen Untersuchung wird nun die Wirksamkeit eines Arzneimittels geprüft, das aus den Blättern des roten Fingerhutes gewonnen wird.

Wie die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) in einer aktuellen Mitteilung erklärt, leiden in Deutschland etwa drei Millionen Menschen an einer chronischen fortgeschrittenen Herzschwäche. Die Erkrankung ist eine der häufigsten Ursachen dafür, dass Patientinnen oder Patienten ins Krankenhaus eingewiesen werden müssen oder an den Folgen sterben. In einer Studie prüfen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Klinik für Kardiologie und Angiologie der MHH die Wirksamkeit des Medikamentes Digitoxin.

Wichtiger Bestandteil der Behandlung

Die Einnahme von Medikamenten ist ein wichtiger Bestandteil der Therapie von Herzschwäche, die in Fachkreisen als Herzinsuffizienz bezeichnet wird. Laut der Deutschen Herzstiftung stehen nicht weniger als sechs verschiedene Medikamenten-Gruppen zur Behandlung einer Herzschwäche zur Verfügung (z. B. ACE-Hemmer, Betablocker, Entwässerungsmittel, Herzglykoside usw.).

Ein Medikament das hier zum Einsatz kommt, ist Digitoxin. Dieses wird aus den Blättern des roten Fingerhutes (Digitalis purpurea) gewonnen, wie auf dem öffentlichen Gesundheitsportal Österreichs „Gesundheit.gv.at“ erklärt wird.

„Digitoxin hat eine geringe therapeutische Breite – d.h., der Konzentrationsbereich zwischen Unterdosierung (Unwirksamkeit des Medikamentes) und Überdosierung (toxische Nebenwirkungen des Medikaments) ist schmal“, heißt es dort weiter.

Kann das Medikament das Leben der Betroffenen verlängern?

Die klinische Studie an der MHH unter der Leitung von Oberarzt Professor Dr. Udo Bavendiek und Klinikdirektor Professor Dr. Johann Bauersachs soll klären, ob Digitoxin das Leben von Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz verlängert und Krankenhausaufenthalte verringert.

Schon über 800 Patienten untersucht

Das menschliche Herz ist ein Hochleistungsmotor. Es schlägt etwa 70 Mal pro Minute und pumpt in dieser Zeit rund fünf Liter Blut durch die Gefäße. Dabei versorgt es den Körper mit lebenswichtigen Sauerstoff und Nährstoffen.

Wenn diese Pumpleistung vermindert ist, sprechen Medizinerinnen und Mediziner von chronischer Herzschwäche oder Herzinsuffizienz. Die Folge sind Atemnot, schlechte Belastbarkeit, Wassereinlagerungen bis hin zur Unbeweglichkeit, schwere Rhythmusstörungen oder Tod.

„Wir haben im Rahmen der Studie schon mehr als 800 Patienten in etwa 40 Studienzentren untersucht, bei denen die üblichen Therapien ausgereizt sind“, erklärt Professor Bauersachs. Dazu gehören Präparate, die bei Herzinsuffizienz überschießend aktivierte Hormonkaskaden hemmen und so das Herz entlasten (etwa Beta-Blocker) sowie entwässernde Mittel (Diuretika).

Gegen akute Rhythmusstörungen helfen zudem Defibrillatoren, die als Implantat in den Körper der Patientin oder des Patienten eingesetzt werden.

Hoffnung für schwerkranke Menschen

Wie es in der Mitteilung der MHH weiter heißt, könnte Digitoxin als sogenanntes Mehrwert-Medikament eine Hoffnung für schwerkranke Menschen sein. Digitoxin gehört zur Wirkstoffgruppe der sogenannten Herzglykoside (Digitalis), die ursprünglich aus dem Fingerhut gewonnen wurden.

Digitalis erhöht die Kontraktionskraft des Herzens und wird in der Medizin bereits seit etwa 200 Jahren eingesetzt. Dennoch ist der Nutzen bei Herzinsuffizienz nicht ausreichend belegt. Bisherige wissenschaftliche Untersuchungen wurden nahezu ausschließlich mit dem Herzglykosid Digoxin durchgeführt.

Der Einsatz von Digoxin ist aber bei einer gestörten Nierenfunktion – dies ist bei Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz häufig der Fall – nur begrenzt möglich, da es nahezu ausschließlich über die Niere ausgeschieden wird.

Auch bei Nierenschwäche geeignet

„Bei Digitoxin liegt der Fall jedoch anders“, sagt Professor Bavendiek. Denn das Arzneimittel wird bei einer gestörten Nierenfunktion entsprechend vermehrt über den Darm ausgeschieden. Das bereits zugelassene Medikament ist somit auch für vorbelastete Patientinnen und Patienten mit Nierenschwäche unproblematisch, das haben auch Ergebnisse aus bisherigen Untersuchungen bestätigt.

„Richtig dosiert ist Digitoxin eine sichere Therapie bei Herzinsuffizienz und Vorhofflimmern“, so Professor Bavendiek. Ob es Herzinsuffizienz-Patientinnen und -Patienten aber tatsächlich hilft, länger und besser zu leben, wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nun endgültig klären. (ad)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Quellen:

  • Medizinische Hochschule Hannover (MHH): MHH-Ärzte wollen Therapie von Herzinsuffizienz verbessern, (Abruf: 17.12.2019), Medizinische Hochschule Hannover (MHH)
  • Deutsche Herzstiftung: Welche Medikamente können bei einer Herzschwäche helfen?, (Abruf: 17.12.2019), Deutsche Herzstiftung
  • Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs „Gesundheit.gv.at“: Digimerck, (Abruf: 17.12.2019), Gesundheit.gv.at


Video: Was hilft bei Herzschwäche? Visite. NDR (Juli 2021).