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Klimawandel bedroht Heilpflanzen


Forschende warnen vor Auswirkungen des Klimawandels auf Heilpflanzen

Vor allem in Gegenden der Welt, in denen westliche Medizin nicht verfügbar ist, tragen Heilpflanzen wesentlich zur Gesunderhaltung von Menschen und Tieren bei. Auch in der westlichen Welt vertrauen in den letzten Jahren immer mehr Menschen auf natürliche Medizin auf Pflanzenbasis. Doch der Klimawandel könnte das Aus für viele Heilpflanzen bedeuten: Veränderte Temperaturen und Niederschlagsmengen sowie die Zunahme von Schädlingen und Krankheitserregern könnten verheerende Auswirkungen auf die Vielfalt der Heilpflanzen haben.

In einer einem Beitrag des Fachjournals Planta Medica warnen Forscherinnen und Forscher aus den Gebieten der Traditionellen Medizin, Botanik, Pharmakologie, Phytotherapie vor den Auswirkungen des Klimawandels speziell im Bereich der Heilpflanzen. Eindringlich fordern sie jetzt Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Viele Heilpflanzen könnten zukünftig nicht mehr verfügbar sein

Für einen großen Teil der Weltbevölkerung sind Heilpflanzen ein wichtiger Bestandteil der medizinischen Versorgung. Für 70 bis 95 Prozent der Menschen in den meisten Entwicklungsländern stellen sie sogar den Großteil der verfügbaren Arzneien dar. Aus den Apotheken, Drogerien und Reformhäusern der Industrienationen sind Gesundheitspräparate auf der Grundlage von Pflanzenwirkstoffen ebenfalls kaum noch wegzudenken.

In ihrer Warnschrift machen nun Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler darauf aufmerksam, dass viele Heilpflanzen durch den Klimawandel aussterben oder zumindest sehr selten werden dürften; zusätzlich könnte sich die Zusammensetzung der Wirkstoffe verbleibender Heilpflanzen durch die Anpassung an gewandelte Umweltbedingungen unvorhersehbar verändern.

Nicht nur gesundheitliche, sondern auch wirtschaftliche Folgen

Weltweit sind viele Menschen nicht nur gesundheitlich, sondern auch finanziell auf Heilpflanzen angewiesen. Denn Millionen Menschen verdienen ihren Lebensunterhalt, indem sie Heilpflanzen sammeln, verkaufen oder als traditionelle Heilerinnen und Heiler arbeiten. „Die Ernte von und der Handel mit Arzneipflanzen stellen eine wichtige Einkommensquelle für die Landbevölkerung und die städtische Bevölkerung dar, da der globale Exportwert für pflanzliche Inhaltsstoffe kürzlich auf über 32,6 Milliarden US-Dollar pro Jahr geschätzt wurde“, heißt es in der Veröffentlichung.

Auch in der Veterinärmedizin sind Heilpflanzen vielerorts unverzichtbar: Durch die Gesunderhaltung der Herden tragen sie zum Lebensunterhalt derjenigen Menschen bei, die von der Viehhaltung leben.

Kombination verschiedener Ursachen verschlimmert das Problem

„Zu den erwarteten Folgen des Klimawandels in vielen Teilen der Welt gehören rauere Wetterextreme wie intensivere Dürren, starke Regenfälle, Hitzewellen und Kälteeinbrüche. All diese Extreme können das Wachstum und den Fortpflanzungserfolg von Pflanzen beeinträchtigen, die nicht an diese Bedingungen angepasst sind, was zu einer Verringerung der nachhaltigen Ernte führt“, so beschreiben die Verfasserinnen und Verfasser der Warnschrift die direkten erwarteten Folgen des Klimawandels.

Neben dem Klimawandel spielen bei der Bedrohung vieler Heilpflanzenarten auch die Probleme der Übererntung und die Vernichtung von Lebensräumen durch den Menschen eine Rolle. Dazu zählt beispielsweise die Abholzung der Regenwälder. Auch könnten viele Menschen den Zugang zu den verbleibenden Heilpflanzen verlieren, etwa dadurch, dass sie aufgrund des Klimawandels ihre angestammten Gebiete verlassen müssen (Klimaflüchtlinge).

Geforderte Gegenmaßnahmen

In ihrer Warnschrift fordern die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Maßnahmen, um die aktuellen bedrohlichen Entwicklungen zu stoppen: „Ideal wäre eine Umkehrung der gegenwärtigen Trends, und natürlich befürworten wir intensive Bemühungen zur Eindämmung des Klimawandels, um seine negativen Auswirkungen auf die Biosphäre und die menschlichen Gemeinschaften weltweit zu verringern”, betonen die Forschenden.

„Wir fordern die lokalen und nationalen Regierungen, die Nichtregierungsorganisationen sowie das öffentliche Gesundheitswesen und die ethnobotanischen Gemeinschaften nachdrücklich auf, Maßnahmen zu ergreifen, um allen Gemeinschaften, insbesondere denen, die für ihre Gesundheitsversorgung oder ihr Einkommen von Heilpflanzen abhängig sind, zu helfen, den Zugang zu hochwertigen traditionellen Arzneimitteln zu erhalten“, so das Forschungsteam weiter.

Allerdings schätzen sie die Chancen, den Klimawandel noch rechtzeitig zu stoppen, als eher gering ein. Daher geben sie konkrete Anregungen, wie man auch im kleineren Rahmen vor Ort aktiv werden kann: Der Anbau von Heilpflanzen in Gemeinschaftsgärten, der Erhalt von Wissen über die benötigten Wachstumsbedingungen und Pflege und das Lehren einer nachhaltigen Erntepraxis können erste kleine, aber wichtige Schritte sein. (kh)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Magistra Artium (M.A.) Katja Helbig

Quellen:

  • Applequist, Wendy L., Brinckmann, Josef A., Cunningham, Anthony B., Hart, Robbie E., Heinrich, Michael, Katerere, David R., van Andel, Tinde: Scientistsʼ Warning on Climate Change and Medicinal Plants; in: Planta Medica, November 2019, Thieme Connect


Video: 7 Fakten zum menschengemachten Klimawandel. Terra X (Juli 2021).