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Depressionen unter jüngeren Deutschen doppelt so häufig wie im restlichen Europa


Generation Depressiv

Eine aktuelle Auswertung des Robert Koch-Instituts vergleicht erstmals das Vorkommen einer depressiven Symptomatik über die gesamte Spanne des Erwachsenenalters in Europa. Dabei zeigte sich, dass depressive Symptomatiken unter jüngeren Menschen in Deutschland mehr als doppelt so häufig vorkommen, wie bei anderen EU-Bürgern.

Das Robert Koch-Institut stellt im „Journal of Health Monitoring“ die aktuellen Daten zu der Verbreitung von Depressionen vor. Demzufolge leiden 11,5 Prozent aller jüngeren Personen in Deutschland unter depressiven Symptomen. Dagegen seien in der restlichen EU in der gleichen Altersgruppe durchschnittlich nur 5,2 Prozent aller Personen betroffen.

Traurige Junge und glückliche Alte

Betrachtet man jedoch die Personengruppe der älteren Menschen, dreht sich das Bild. In dieser Gruppe ist die Verbreitung von Depressionen in Deutschland geringer als im EU-Durchschnitt. Während in Deutschland 6,7 Prozent aller älteren Personen von Depressionen betroffen sind, leiden im restlichen Europa durchschnittlich 9,1 Prozent aller älteren Menschen unter einer depressiven Symptomatik.

25 EU-Länder befragt

„Mit den Daten wollen wir dazu beitragen, die Gesundheit der Menschen weiter zu verbessern“, erläutert RKI-Präsident Lothar H. Wieler in einer Pressemitteilung. Für die Studie wurden über 254.000 Menschen in 25 EU-Staaten über depressive Symptome befragt. In Deutschland wurden für die Befragung rund 25.000 Personen ab einem Alter von 15 Jahren per Zufallsprinzip aus den Registern der Einwohnermeldeämter ausgewählt. Mehr als ein Viertel (27 Prozent) nahm an der Umfrage teil.

Steigt die Anzahl an Depressionen oder das Bewusstsein dafür?

Die Ergebnisse feuern nun die Fragestellung an, ob Depressionen heute stärker verbreitet sind als früher oder ob die Anzahl der Fälle ungefähr gleich geblieben ist und nur das öffentliche Bewusstsein für Depressionen sensibilisiert wurde – vielleicht ist auch beides der Fall? Nach Angaben der Deutschen Depressionshilfe werde die Krankheit von Ärztinnen und Ärzten heute häufiger erkannt als früher. Zudem sei in der Bevölkerung die Bereitschaft gestiegen, Depressionen anzuerkennen und sich dagegen behandeln zu lassen.

5,3 Millionen Depressive in Deutschland

Wie die Deutsche Depressionshilfe berichtet, gehören Depressionen zu den häufigsten und hinsichtlich ihrer Schwere am meisten unterschätzten Erkrankungen in Deutschland. Rund 5,3 Millionen Menschen leiden hierzulande daran. Etwa jede vierte Frau sowie jeder achte Mann in Deutschland entwickele im Laufe des Lebens mindestens eine Depression. Bei Frauen sei das Erkrankungsrisiko zwei- bis dreimal so hoch wie bei Männern. (vb)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Diplom-Redakteur (FH) Volker Blasek

Quellen:

  • Robert Koch-Institut (RKI): Die Gesundheit der Bevölkerung im europäischen Vergleich (Abruf: 12.12.2019), rki.de
  • Susanne Bartig, Johanna Gutsche, Dr. Birte Hintzpeter, u.a.: Wie geht es Deutschland in Europa? – Ergebnisse des European Health Interview Survey (EHIS) 2, Journal of Health Monitoring 4/2019, RKI - Journal of Health Monitoring
  • Deutsche Depressionshilfe: Häufigkeit Depression (Abruf: 12.12.2019), deutsche-depressionshilfe.de



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