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Proteinreiche Ernährung kann den Nieren schaden


Eiweißdiät ist nicht für jeden geeignet

Die menschlichen Körperzellen werden ständig erneuert und sind deshalb auf eine regelmäßige Proteinzufuhr angewiesen. Doch wie viel Eiweiß benötigen wir pro Tag? Manche Menschen meinen, man könne kaum genug davon essen, schließlich sollen proteinreiche Lebensmittel gut für die Gesundheit sein, den Muskelaufbau fördern und beim Abnehmen helfen. Doch diese Form der Ernährung birgt für manche Personengruppen auch enorme gesundheitliche Risiken.

Ob Brot, Müsli oder Milchshakes: Lebensmittel mit der Extraportion Eiweiß liegen derzeit im Trend. „Proteinreiche“ Nahrungsmittel sollen unter anderem schnell satt und dadurch schlank machen und beim Muskelaufbau helfen. Allerdings gibt es Hinweise, dass die Extraportion Protein zumindest bei Menschen mit Herzerkrankungen, Diabetes und Übergewicht den Nieren schaden kann, berichtet das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE).

Hilfreich beim Abnehmen

Wie ein internationales Forschungsteam im Fachblatt „Nephrology Dialysis Transplantation“ schreibt, weisen Fachleute immer wieder auf die Vorteile einer proteinreichen Ernährung hin: „Schnelles Abnehmen, Verbrennen von Kalorien, Verringerung des Appetits, Verhinderung von Fettleibigkeit, Behandlung des metabolischen Syndroms und Behandlung von Diabetes“, ist dort zu lesen.

Die Autorinnen und Autoren thematisieren aber auch, dass eine Ernährungsweise, die reich an Eiweiß ist, schädliche Auswirkungen haben kann – nicht unbedingt auf Menschen mit gesunden intakten Nieren, aber unter anderem auf Menschen, die an Diabetes leiden oder diejenigen, die übergewichtig sind.

Negative Auswirkungen einer proteinreichen Ernährung

Auch eine wissenschaftliche Untersuchung, die ebenfalls im Fachjournal „Nephrology Dialysis Transplantation“ veröffentlicht wurde, thematisiert die negativen Auswirkungen einer proteinreichen Ernährung. Laut dem BZfE waren an der niederländischen Studie über 2.000 Probandinnen und Probanden im Alter von 60 bis 80 Jahren beteiligt, darunter 80 Prozent Männer.

Sie hatten zuvor einen Herzinfarkt erlitten und waren deshalb im Vergleich zur allgemeinen Bevölkerung anfälliger für Nierenerkrankungen. Die Teilnehmenden machten in Fragebögen Angaben zu ihren Ernährungsgewohnheiten. Anhand dieser Daten wurde die täglich aufgenommene Menge an Eiweiß berechnet.

Zu Beginn der Untersuchung und nach 41 Monaten nahmen die Medizinerinnen und Mediziner Blutproben, um anhand bestimmter Parameter die Nierenfunktion zu beurteilen. Dabei zeigte sich: Je höher die tägliche Proteinzufuhr, desto schlechter arbeiteten die Nieren.

Bei Patientinnen und Patienten mit einer täglichen Proteinaufnahme von mehr als 1,2 g im Vergleich zu weniger als 0,8 g pro Kilogramm Körpergewicht nahm die Nierenfunktion doppelt so schnell ab. Vermutlich schädigen Eiweiße in großer Zahl die kleinen Blutgefäße in den Nierenkörperchen.

Nicht für jeden Menschen von Vorteil

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler möchten dafür sensibilisieren, dass eine eiweißreiche Ernährung nicht für jeden von Vorteil ist. Insbesondere bei Übergewichtigen und Menschen mit Diabetes ist Vorsicht geboten.

Bevor man seine Ernährungsgewohnheiten ändert und sich für eine solche Diät entscheidet, sollte eine beginnende Nierenerkrankung ausgeschlossen werden. Das BZfE weist aber auch darauf hin, dass die Ergebnisse noch in weiteren Studien bestätigt werden müssen. Noch ist nicht abschließend geklärt, ob sich Eiweiße aus tierischen und pflanzlichen Quellen unterschiedlich auswirken.

Keine speziellen Produkte nötig

Proteine übernehmen im Körper viele wichtige Funktionen – etwa als Hormone, Enzyme und Energielieferanten. Wie das BZfE an andere Stelle erklärt, benötigt eine erwachsene Person im Durchschnitt 0,8 g Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht und Tag. Bei einem 70 Kilo schweren Menschen sind dies 56 Gramm Eiweiß am Tag.

Diese Menge kann über den Verzehr von proteinreichen Lebensmitteln wie Hülsenfrüchten, Brot, Fleisch, Fisch, Milchprodukten und Eiern problemlos erreicht werden. Spezielle Produkte sind dafür nicht notwendig. (ad)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.


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