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Diabetes: Längere Lebenserwartung und bessere Lebensqualität durch optimale Therapie


Diabetes wirkt sich auf alle Organe des menschlichen Körpers aus

Allein in Deutschland leiden laut Schätzungen rund sieben Millionen Menschen an Diabetes. Weltweit sollen rund 350 Millionen Menschen betroffen sein. Die Stoffwechselerkrankung wirkt sich auf alle Organe des Körpers aus, vor allem auf das Herz und die Nieren. Diese Organe müssen daher unbedingt bei der Therapie der Zuckerkrankheit berücksichtigt werden.

Es ist schon länger bekannt, dass Diabetes das Risiko für Herzerkrankungen wie plötzlichen Herztod und Herzinfarkt erhöht. Die Stoffwechselerkrankung geht auch an die Nieren. Eine optimale Diabetes-Therapie nimmt vom ersten Tag an auf Herz und Nieren Rücksicht und kann so zu einer längeren Lebenserwartung und besseren Lebensqualität beitragen. Darauf weist die Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG) hin.

Massiv eingeschränkte Lebensqualität

„Menschen mit Diabetes gelten als Hochrisikokollektiv für Herz-Kreislauferkrankungen, speziell die schleichende und chronische Herzschwäche (in der Medizin Herzinsuffizienz genannt) ist besonders tückisch, da sie lange unerkannt bleibt und die Leistungsfähigkeit und somit die Lebensqualität massiv einschränkt“, erklärt ÖDG-Präsidentin Alexandra Kautzky-Willer.

„Von zwei Diabetes mellitus Typ 2 PatientInnen bekommt einer im Lauf seines Lebens eine Herzinsuffizienz und gerade die Herzinsuffizienz ist viel zu oft für einen frühen Tod verantwortlich“, so die Univ. Prof.in Dr.in von der Univ.-Klinik für Innere Medizin III, Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel, an der Med Uni Wien.

Doch laut einer vor wenigen Monaten im Fachmagazin „Diabetic Medicine“ veröffentlichten Studie bleibt Herzinsuffizienz bei Diabetes oft unentdeckt und unbehandelt. „Dabei kann eine einfache Blutuntersuchung mit Bestimmung eines Biomarkers schon früh Hinweise geben“, so Kautzky-Willer.

Vorsorglich mit der Herzgesundheit beschäftigen

Laut der ÖDG haben Menschen, die bereits einen Herzinfarkt hatten, ein besonders hohes Risiko weitere Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erleiden. Genauso hoch ist jedoch auch das Risiko von Menschen mit Diabetes.

„Wir beobachten, dass die Grenzen zwischen Primär- und Sekundärprävention von Herzkreislauferkrankungen bei PatientInnen mit Diabetes immer mehr verschwinden“, so Assoz. Prof.in Priv. Doz.in Dr.in Yvonne Winhofer-Stöckl, PhD, von der Univ.-Klinik für Innere Medizin III, Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel, an der Med Uni Wien und First Secretary der ÖDG.

„Es ist notwendig sich bei Menschen mit Diabetes genauso vorsorglich mit deren Herzgesundheit zu beschäftigen, wie bei Menschen, die bereits einen Infarkt hatten“, erklärt die Expertin.

Häufigste Ursache für Nierenersatztherapie

Wie es in der Mitteilung weiter heißt, ist Diabetes noch immer häufigste Ursache für eine Nierenersatztherapie. Die sogenannte Dialyse kostet Lebensqualität und Lebenszeit, weil sie mehrmals wöchentlich durchgeführt werden muss und es keinen Urlaub von dieser Therapie gibt, denn sogar Urlaubsziele müssen nach der Möglichkeit einer Dialyse vor Ort ausgewählt werden.

Eine weitere Form der Nierenersatztherapie stellt die Nierentransplantation dar; doch auch hier gilt man nachher nicht als geheilt, sondern muss lebenslang abwehrunterdrückende Medikamente einnehmen und hat ein erhöhtes Risiko für Infektionskrankheiten.

Ein erster Hinweis für die Verschlechterung der Nierenfunktion ist, wenn im Urin Eiweiß gefunden wird. Das zeigt, dass die Gefäße der Nieren nicht mehr so gut arbeiten.

Eiweiß im Urin

Der ÖDG zufolge wird ab dem Zeitpunkt, in dem Eiweiß im Harn festgestellt wird, auch ein Anstieg des Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen beobachtet, denn die Gefäßschädigungen finden in beiden Organen statt.

Diese Gefäßschäden entstehen direkt durch den Blutzucker aber auch durch erhöhten Blutdruck sowie schädliche Blutfette, die beide typische Begleiterkrankungen des Diabetes mellitus Typ 2 sind.

„Zwischen Herz und Nieren herrscht ein enger Kreislauf. Das hormonelle und metabolische Zusammenspiel wirkt sich auf beide Organe aus. Oft treten erste Zeichen der Nierenschwäche mit ersten Zeichen einer Herz-Kreislauferkrankung auf“, erläutert Winhofer -Stöckl.

„Und leider wird ein beiden Problemen zugrundeliegender Diabetes oft erst bei Komplikationen entdeckt“, ergänzt Kautzky-Willer.

Ausreichende Bewegung und ausgewogene Ernährung

Kautzky-Willer erklärt was Patientinnen und Patienten selbst tun können, um ihre Gesundheit trotz der chronischen Krankheit Diabetes möglichst lange zu erhalten:

„Tägliche Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, zum Beispiel die Umstellung auf mediterrane Kost, Gewichtsreduktion bei Übergewicht, ein guter Biorhythmus mit ausreichend Schlaf und guter Resilienz, sowie ein sofortiger Rauchstopp sind die wichtigsten Maßnahmen, die jede und jeder für sich selbst setzen kann. Hier zählt jeder Schritt! Jede Lebensstilveränderung leistet einen Beitrag zur Verringerung des Risikos von Folgeerkrankungen.“

Die ersten Jahre der Erkrankung sind entscheidend

Eine frühe und konsequente Diabetes-Therapie zahlt sich aus. „Gerade in den ersten Jahren der Erkrankung, können wir durch eine konsequente Therapie die Basis für ein langes und gesundes Leben trotz Diabetes legen. Zu Beginn der Erkrankung müssen wir die Behandlung intensivieren, um Jahrzehnte danach unseren Patientinnen und Patienten Lebenszeit und Lebensqualität schenken zu können“ sagt Winhofer-Stöckl.

Sämtliche Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen müssen von Anfang an beobachtet und optimal eingestellt werden. Für Blutzucker, Blutfette und Blutdruck gilt es die jeweiligen Zielwerte möglichst schnell zu erreichen und dann zu behalten. Beim Blutzucker steht hier der HbA1c-Wert im Zentrum, weil er als Langzeitwert besonders aussagekräftig ist.

Optimale Diabetes-Therapie schützt auch Herz und Nieren

„Unser Dogma in der Therapie hat sich über die Zeit gewandelt, was auch gut an unseren neuen Leitlinien erkennbar ist: Früher war die glukozentrische Sicht im Vordergrund, dann wurde die Bedeutung der multifaktoriellen Therapie mit Beachtung aller bereits genannten Risikofaktoren (Cholesterin, Blutdruck, Blutzucker, …) auch dank neuer Medikamente wie RAS Hemmer, Gerinnungshemmer , Statine und zuletzt PCSK9 Hemmer erkannt, und jetzt stehen wir tatsächlich am Beginn der personalisierten, individualisierten Therapie mit neuen Antidiabetika mit Zusatznutzen“, betont Kautzky-Willer.

„Heute stehen uns Diabetesmedikamente zur Verfügung, die nicht nur den Blutzucker senken, sondern gleichzeitig auch günstige Auswirkungen auf Herz, Gefäßverkalkung oder Herzschwäche, und Nieren haben. Dies führt erwiesenermaßen zu einer höheren Lebenserwartung und besserer Lebensqualität. Das gilt aber nur, wenn eine Diabeteserkrankung rechtzeitig erkannt und konsequent behandelt wird“, so die Ärztin. (ad)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Quellen:

  • Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG): DIABETESTHERAPIE AUF HERZ UND NIEREN PRÜFEN, (Abruf: 09.12.2019), Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG)
  • Diabetic Medicine: Heart failure among people with Type 2 diabetes mellitus: real‐world data of 289 954 people from a diabetes database, (Abruf: 09.12.2019), Diabetic Medicine


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