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Winter-Jetlag: Warum wir im Winter kürzer treten sollten

Winter-Jetlag: Warum wir im Winter kürzer treten sollten


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Leiden wir im Winter unter einem permanenten Jetlag?

Für viele von uns führt der Winter zu einem allgemeinen Gefühl des Unwohlseins. Einige leiden sogar unter einer regelrechten Winterdepression. Ein Forschungsteam zeigte nun, dass der Winterblues dadurch gefördert wird, dass wir im Winter ständig gegen unseren natürlichen biologischen Rhythmus ankämpfen.

Forschende der Universität Basel und der Swinburne University in Australien zeigten, dass die Winterjahreszeit mit einer geringen Produktivität am Arbeitsplatz verbunden ist. Gleichzeitig leiden vermehrt Personen unter ständiger Müdigkeit, schlechter Laune und Niedergeschlagenheit. Auch die Selbstmordraten steigen in den dunklen Monaten an. Das Team schlägt kürzere Arbeitszeit im Winter vor, um diese Symptome abzumildern. Die Ergebnisse sind kürzlich in dem „Journal of Biological Rhythms“ erschienen.

Winter-Alltag kann depressiv machen

Die meisten Menschen kennen diesen Ablauf im Winter: Man schält sich im Dunkeln aus dem Bett, fährt im Halbdunkel zur Arbeit und beobachtet am Nachmittag aus dem Bürofenster, dass die Sonne bereits wieder schwindet. Wenn man nach Hause fährt, ist es schon wieder dunkel. Dieser Ablauf kann laut einer aktuellen Studie eine sogenannte saisonale affektive Störung fördern – besser bekannt unter dem Namen Winterdepression.

Arbeit gegen die innere Uhr

Die Forschenden stellten fest, dass unsere inneren Uhren im Winter nicht mit den realistischen Wach- und Arbeitszeiten synchron laufen. „Wenn unsere Körperuhr sagt, dass wir um 09:00 Uhr aufwachen sollen, weil es ein dunkler Wintertag ist, aber wir um 07:00 Uhr aufstehen, verpassen wir eine komplette Schlafphase“, erklärt Psychologie-Professor Greg Murray. Er forscht im Fachbereich Chronobiologie. Dieser Bereich setzt sich unter anderem damit auseinander, wie unser Körper Schlaf und Wachheit reguliert.

Passt unser Arbeitskonzept nicht in den Winter?

Die neusten Erkenntnisse aus diesem Bereich deuten darauf hin, dass sich im Winter unsere Schlafbedürfnisse und -präferenzen ändern, die Pflichten und Zwänge des Alltags den Körper aber daran hindern, sich dem anzupassen.

Der zirkadiane Rhythmus

Die Nobelpreis-gekrönte Entdeckung des zirkadianen Rhythmus unterstützt diese Theorie. Es zeigte sich, dass jede Körperzelle ein Art innere Uhr besitzt, die sich an die Tages- und Nachtzeiten anpasst. Es handelt sich dabei den Forschenden zufolge um einen 24-Stunden-Timer, der bestimmt, wann wir am besten verschiedene Dinge erledigen sollten. Am wichtigsten ist dabei, wann wir einschlafen und wann wir aufstehen. „Der Körper macht diese Dinge gerne synchron mit der Körperuhr“, berichtet Murray. Die innere Uhr bestimmt, wie sich unser Körper in Bezug zur Sonne verhält.

Die innere Uhr reguliert unseren Stoffwechsel

Nach Angaben der Forschenden gibt es eine Vielzahl von Hormonen und anderen Körpersubstanzen, die an der Regulierung unserer Körperuhren beteiligt sind, sowie eine Reihe von äußeren Faktoren. Der wichtigste äußere Faktor sei die Sonne und ihre Position am Himmel. Die Augen besitzen spezielle Photorezeptoren, die besonders empfindlich gegenüber blauem Licht sind und so bei der Kalibrierung der inneren Uhr helfen.

Evolutionsbedingtes Verhalten

Die Forschenden erläutern, dass diese biologischen Mechanismen Mensch und Tier dabei helfen, das Verhalten entsprechend der verschiedenen Tages- und Jahreszeiten anzupassen. „Das ist die prädiktive Funktion einer zirkadianen Uhr- und sie ist in allen Lebewesen enthalten“, ergänzt Anna Wirz-Justice, Professorin am Zentrum für Chronobiologie der Universität Basel in der Schweiz. Bei Tageslichtverschiebungen im Laufe des Jahres bereite sich der Organismus unter anderem auch auf saisonale Verhaltensänderungen wie Fortpflanzung oder Überwinterung vor.

Menschen im Wintermodus

Der Studie zufolge ist zumindest teilweise das Hormon Melatonin für den „Wintermodus“ mitverantwortlich. Dieses Hormon werde von dem zirkadianem Rhythmus gesteuert und beeinflusse ihn gleichzeitig. Melatonin wirkt wie eine Art Schlafdroge. Die Forschenden zeigten, dass dieses Hormon im Winter vermehrt ausgeschüttet wird. „Das ist der biochemische Hintergrund, wie zirkadiane Uhren auf verschiedene Jahreszeiten reagieren können“, fügt Chronobiologe Till Roenneberg hinzu.

Social Jetlag

„Die Diskrepanz zwischen dem, was die biologische Uhr will und dem, was die Gesellschaft fordert, haben wir Social Jetlag genannt“, so Roenneberg. Dieses soziale Jetlag sei im Winter stärker als im Sommer. Es wirkt dabei ähnlich wie ein Jetlag, dass wir vom Fliegen kennen, nur dass beim Social Jetlag die innere Uhr durch die täglichen Pflichten und nicht durch die Zeitverschiebung aus dem Takt gebracht wird.

Ein Land im Jetlag

Den Forschenden zufolge ist dieser soziale Jetlag ein ein gut dokumentiertes Phänomen, das mitunter schwerwiegende Folgen für Gesundheit, Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit im Alltag haben kann. Als Beispiel nennt das Team den stark ausgeprägten Social Jetlag in Spanien. Das Land hält sich an mitteleuropäische Zeiten, obwohl es geografisch die Zeitzone von England haben müsste. Untersuchungen zeigten, dass Spanier im Durchschnitt eine Stunde weniger Schlafen, als die übrigen Menschen in Europa. Dies sei mit einem erhöhten Risiko für Abwesenheit, Stress, Arbeitsunfälle und schlechter Leistung in der Schule sowie am Arbeitsplatz verbunden.

Bessere Schulleistung durch späteren Unterricht

Die Forschenden sprechen sich für die Idee aus, die Arbeitskonzepte besser auf den zirkadianen Rhythmus anzupassen, beispielsweise durch kürzere Arbeitszeiten im Winter. Dies könnte die Gesundheit und die Produktivität anheben. Allerdings wurde dieses Konzept bislang noch nicht in einem größeren Rahmen getestet. Das Team nennt jedoch als Beispiel eine Schule in England, die ihre Startzeiten zwischen 8:50 und 10:00 Uhr verlegte. In Folge seien Fehlzeiten aufgrund von Krankheiten zurückgegangen und die durchschnittliche Leistung der Schülerinnen und Schüler verbesserte sich. (vb)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Diplom-Redakteur (FH) Volker Blasek

Quellen:

  • Till Roenneberg, Anna Wirz-Justice, Debra J. Skene, u.a.: Why Should We Abolish Daylight Saving Time? Journal of Biological Rhythms, 2019, journals.sagepub.com


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Bemerkungen:

  1. Jeb

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