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Diese Hautprobleme können ein Diabetes-Warnzeichen sein


Pilzinfektionen, Juckreiz und Co bei Diabetes ein Warnsignal

In Deutschland leben mehr als sieben Millionen Menschen mit Diabetes. Bei mindestens jedem zweiten Betroffenen tritt eine Hauterkrankung auf. Laut Fachleuten können solche Hautprobleme auf eine mangelhafte Therapie hinweisen, einen lebensbedrohlichen Notfall signalisieren oder auch vor einem unentdeckten Diabetes Typ 2 warnen.

Typ-2-Diabetes entwickelt sich häufig schleichend, ohne charakteristische Symptome, und wird oftmals erst dann entdeckt, wenn es bereits zu Folgeerkrankungen gekommen ist. Dabei gibt es Warnzeichen, bei denen Betroffene oder auch behandelnde Ärzte hellhörig werden und an die Abklärung eines möglichen Diabetes vom Typ-2 denken sollten. Auf welche Beschwerden besonders zu achten und was dann zu tun ist, erklären Fachleute der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG).

Mehr als 50 Hautkrankheiten in Verbindung mit Diabetes

„Diabetes und Haut stehen in enger Wechselbeziehung“, betont Professor Dr. med. Monika Kellerer, Präsidentin der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). „Zwischen 30 und 70 Prozent aller Diabetespatientinnen und -patienten weisen dermatologische Symptome und Erkrankungen auf.“

Über 50 Hautkrankheiten können in Verbindung mit der Stoffwechselerkrankung auftreten. Warum sich die Erkrankungen gegenseitig beeinflussen, ist aber nicht restlos geklärt.

„Vermutlich begünstigen Entzündungsprozesse, Ablagerungen von zuckerhaltigen Substanzen in der Haut und die geschwächte Immunabwehr Pilz- und bakterielle Infektionen“, erläutert Professor Dr. Claudia Pföhler von der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am Universitätsklinikum des Saarlandes.

Bräunliche Flecken am Schienbein gehören zu den häufigsten Warnzeichen

Wie es in der Mitteilung der DDG heißt, gehören bräunliche, narbenähnliche, rundliche Flecken, die sich meist über dem vorderen Schienbein zeigen, zu den häufigsten Hauterscheinungen bei Menschen mit Diabetes. Den Angaben zufolge findet sich die diabetische Dermopathie, wie die Pigmentveränderungen in der Fachsprache heißen, bei bis zu 70 Prozent aller Diabetespatienten.

„Sie ist sehr oft das erste Anzeichen eines nicht erkannten Diabetes“, so Pföhler. Wer solche Flecken an Schienbeinen, Unterarmen oder Füßen bemerkt, sollte beim Hausarzt oder Diabetologen seinen Nüchtern-Blutzucker überprüfen lassen. Die gute Nachricht: „Die Flecken verschwinden, sobald der Diabetes eingestellt ist“, erklärt die Dermatologin.

Pilzinfektionen mit quälendem Juckreiz

Stark ausgeprägte, hartnäckige Pilzinfektionen an Füßen, in den Leisten oder der Achselhöhle, unter der Brust, in der Scheide oder im Analbereich sind ein weiteres Warnzeichen für Diabetes. „Chronische Pilzinfektionen mit ihrem quälenden Juckreiz gelten als Marker-Erkrankung für Diabetes mellitus“, so Pföhler. Der häufigste Erreger ist Candida albicans.

Auch hier gilt, unbedingt nüchtern den Blutzucker-Wert messen lassen. „Sobald der Blutzuckerwert normalisiert ist, können die Pilzinfektionen oft mit örtlichen Cremes und Zäpfchen erfolgreich behandelt werden“, sagt die Hautexpertin.

Nagelpilz von Fachkräften behandeln lassen

Beim Nagelpilz steht nicht der Juckreiz im Vordergrund, sondern verdickte Nagelplatten, Flecken, Brüchigkeit sowie Risse sind die Hauptsymptome. Er ist für Menschen mit Diabetes besonders gefährlich, da die Nagelschäden als Eintrittspforte für Bakterien dienen, die beispielsweise ein diabetisches Fußsyndrom befördern können.

„Die Sanierung von Nagelpilz bei Diabetespatienten ist deshalb keine kosmetische Frage, sondern eine medizinische Notwendigkeit und gehört in die Hände von Fachkräften“, erklärt DDG-Expertin Dr. Cornelia Woitek, die eine diabetologische Schwerpunktpraxis in Wurzen bei Leipzig leitet. Den Angaben zufolge können Ärzte die professionelle Fußpflege beim Podologen auf Rezept verordnen.

Bakterien, die über kleine Fußwunden in den Körper eintreten, können sogar eine schwerwiegende Wundinfektion auslösen – ein sogenanntes Erysipel, auch bekannt unter dem Namen Wundrose. „Ein Erysipel macht sich an der Haut als flammende Rötung bemerkbar, die sich rasch ausbreitet, bevorzugt an den Unterschenkeln oder im Gesicht“, so Professor Dr. Baptist Gallwitz, Mediensprecher der DDG.

Betroffene entwickeln meist gleichzeitig hohes Fieber und Schüttelfrost; hier liegt ein Notfall vor. „Es droht die Gefahr einer Blutvergiftung, weshalb man sich sofort ins Krankenhaus begeben sollte“, warnt der Diabetologe vom Universitätsklinikum Tübingen. Denn mitunter handelt es sich bei den Erregern nicht nur um Streptokokken, sondern auch um Staphylokokken, die gegen verschiedene Antibiotika resistent sein können.

„Ob Blasen, Druckstellen oder Hühneraugen – Diabetespatienten müssen auf jede Hautveränderung am Fuß achten“, mahnt Gallwitz.

Alarmzeichen für Nierenschäden

Im Laufe ihrer Erkrankung leiden viele Diabetiker unter Hauttrockenheit. Sie löst vermutlich Pruritus aus, einen starken Juckreiz. „Die Patienten kratzen sich an Körperstellen, die sie gut erreichen – an oberen Schultern, Armen, Unterschenkeln“, sagt Woitek. Zudem weist die Haut feine Einrisse, eine leichte Schuppung und Rötung auf.

Wenn das Jucken durch klassische Therapien wie Kortisonsalbe oder Antihistaminika nicht nachlässt, sollte der Arzt hellhörig werden. „Unstillbarer Juckreiz, der auf keine Therapie anspricht, ist bei Diabetespatienten ein Hinweis auf eine Nierenfunktionsstörung“, erklärt Woitek. „Manchmal hilft eine Lichttherapie gegen die Hautprobleme“, ergänzt Pföhler.

In jedem Fall sollte ein Dermatologe hinzugezogen werden. Für die Nierenschädigung ist der Nephrologe zuständig.

Durch richtige Hautpflege vorbeugen

Menschen mit Diabetes können selbst etwas für ihre Hautgesundheit tun. „Die tägliche Hautpflege ist essentiell“, sagt Woitek. Hierfür eigenen sich besonders feuchtigkeitsspendende Pflegeprodukte mit den Inhaltsstoffen Glyzerin, Panthenol, Hamamelis, Aloe Vera, Vitamin E und Harnstoff.

„In der kalten Jahreszeit sollten Menschen mit Diabetes außerdem nicht zu heiß und zu lange baden und sich gut abzutrocknen, um nasse Hautstellen zu vermeiden“, empfiehlt die Diabetologin.

Die gemeinnützige Organisation diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe hat auf ihrer Webseite noch weitere Empfehlungen, um Hautbeschwerden vorzubeugen. Sie empfiehlt, mindestens zwei Liter ungezuckerte Getränke am Tag zu trinken.

Zudem weist die Organisation darauf hin, dass insbesondere die Füße tägliche Pflege und Kontrolle benötigen, damit nicht durch unbemerkte Verletzungen ein diabetisches Fußsyndrom entsteht. (ad)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.


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