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Tödliche Infektion durch Hundespeichel: Mann verstorben

Tödliche Infektion durch Hundespeichel: Mann verstorben


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Von einem Hund abgeleckt zu werden kann tödliche Folgen haben

In Bremen kam ein Mann in ein Krankenhaus, da er sich durch Hundespeichel eine schwere Infektion zugezogen hatte. Trotz intensiver Pflege verschlechterte sich sein Gesundheitszustand und er starb an Multiorganversagen.

Ärztinnen und Ärzte des Rote Kreuz Krankenhauses in Bremen berichten im Fachmagazin „European Journal of Case Reports in Internal Medicine“ über den Fall eines Mannes, der grippeähnliche Symptome entwickelte und nach einiger Verzögerung eine schwere Sepsis (Blutvergiftung) und Purpura fulminans – eine akut lebensbedrohliche Erkrankung, die mit Hauteinblutungen einhergeht. Er hatte sich mit einem Bakterium namens Capnocytophaga canimorsus infiziert. Trotz Intensivpflege verschlechterte sich sein Gesundheitszustand und er starb.

Hauteinblutungen und Atemnot

Den Angaben zufolge hatte der zuvor gesunde Mann drei Tage vor der Einweisung in das Krankenhaus Fieber und fortschreitende Atemnot. Am Tag zuvor hatten sich rote Pusteln und Hauteinblutungen am Körper des 63-Jährigen gebildet. Zudem zeigte er Empfindungsstörungen im rechten Bein und Muskelschmerzen beiden Beinen.

Der Patient gab an, in den vergangenen Wochen von seinem Hund, seinem einzigen Haustier, berührt und abgeleckt, aber nicht gebissen oder verletzt worden zu sein. In der jüngeren Vergangenheit gab es keinen Krankenhausaufenthalt und keine Auslandsreisen.

Bei der Untersuchung traten Ekchymosen (fleckenartige Hautblutungen) über den unteren Extremitäten auf, jedoch keine offenen Wunden. Der Patient war bei Bewusstsein und hatte Fieber (39 ° C). Er klagte nicht über Kopfschmerzen, Nackensteifheit oder andere Symptome einer Meningitis.

Es wurde festgestellt, dass der Patient einen akuten Nierenschaden und Anzeichen einer Leberfunktionsstörung hatte.

Patient wurde wiederbelebt

Nachdem der Patient auf die Intensivstation überwiesen worden war, wurde eine Erstdiagnose einer schweren Sepsis mit Purpura fulminans gestellt und er wurde sofort mit verschiedenen Antibiotika behandelt.

Der Zustand des Patienten verschlechterte sich in den nächsten 30 Stunden. Zu einer Hirnschädigung und einem Darmverschluss kamen Nieren- und Leberversagen und ein Herzstillstand. Er wurde jedoch erfolgreich wiederbelebt und anschließend mechanisch beatmet.

Am 4. Tag der Krankenhauseinweisung ergaben Blutkulturen den gramnegativen Bazillus Capnocytophaga canimorsus, weshalb ein weiteres Antibiotikum zur Behandlung hinzugefügt wurde.

Die Anamnese des Patienten sowie klinische und Laboruntersuchungen zeigten keine Immunschwäche, Asplenie (Funktionsunfähigkeit der Milz) oder Alkoholmissbrauch.

Nach zehn Tagen Antibiotikabehandlung traten weiterhin Anzeichen einer systemischen Infektion auf und am 11. Tag entwickelte der Patient eine Temperatur von 41 ° C.

Da ein CT des Schädels zu diesem Zeitpunkt Anzeichen eines schweren Hirnödems zeigte, wurde gemeinsam mit den Angehörigen eine Entscheidung zur Deeskalation der Therapie getroffen. Der Patient starb nach 16 Tagen Behandlung.

Bakterien im Maul von Hunden und Katzen

Das Capnocytophaga-Bakterium kommt vor allem im Maul von Hunden und Katzen vor. „In seinem natürlichen Umfeld, dem Hunde- oder Katzenmaul, richtet das Bakterium Capnocytophaga canimorsus keinen Schaden an“, erklärt die Universität Basel in einem älteren Bericht.

„Gelangt der Erreger aber durch einen Biss oder Kratzer in das menschliche Gewebe und Blut, kann er zu schwerwiegenden Krankheiten führen“, schreiben die Fachleute.

„Bei fehlender Behandlung durch Antibiotika können sich die Bakterien ungehindert vermehren und gefährliche Infektionen wie zum Beispiel Wundbrand, Blutvergiftung, Hirnhautentzündung oder Endokarditis, eine Entzündung der Herzinnenhaut, auslösen“, heißt es dort weiter.

Im Extremfall – wie auch der Bremer Fall zeigt – kann eine Infektion mit dem Bakterium tödlich enden.

Patient ohne Immunschwäche erkrankte

Unser Bericht über einen Patienten mit tödlichem septischem Schock aufgrund von C. canimorsus beschreibt mehrere bemerkenswerte Merkmale, die für die klinische Praxis wichtig sein können, so die Bremer Autorinnen und Autoren.

Die Infektion mit C. canimorsus wird am häufigsten durch Hundebisse übertragen. Solche Infektionen sind im Allgemeinen selten und reichen von lokalen Hautinfektionen bis hin zu septischem Schock. Bei Patienten mit Immunschwäche, Splenektomie (Milzentfernung) oder Alkoholmissbrauch wurden schwere und tödliche Infektionen berichtet.

Unser Patient zeigte keine Immunschwäche, Splenektomie oder Alkoholmissbrauch. Darüber hinaus wurde er von seinem Hund nur in den Wochen vor der Infektion berührt und abgeschleckt. Wir gehen daher davon aus, dass während der Übertragung eine geringe Bakterienkonzentration und keine spezifische Anfälligkeit für schwere C. canimorsus-Infektionen vorlag. Trotzdem entwickelte der Patient einen septischen Schock mit tödlichem Multiorganversagen.

Sehr selten wurde über schwere C. canimorsus-Infektionen ohne Beißen oder Kratzen berichtet. Nur ein Patient hatte keine Immunschwäche. Eine Infektion mit C. canimorsus verläuft bei etwa 25 Prozent der Patienten tödlich. Diese hohe Sterblichkeitsrate beruht jedoch auf Sammlungen von Fallberichten und könnte daher verzerrt sein.

Infektionen auch ohne Tierbisse

Was sind die klinischen Auswirkungen dieses Fallberichts? Tierhalterinnen und Tierhalter mit grippeähnlichen Symptomen sollten dringend ärztlichen Rat einholen, wenn ihre Symptome die einer einfachen Virusinfektion überschreiten.

Mit solchen Patienten konfrontierte Ärztinnen und Ärzte sollten sich nach dem Kontakt mit Hunden und Katzen erkundigen. Sie sollten C. canimorsus-Infektionen auch ohne Tierbisse oder -kratzer sowie etwaigen Immunschwächen in Betracht ziehen.

In solchen Fällen sollte sofort eine Behandlung mit einem Penicillin in Kombination mit einem Beta-Lactamase-Hemmer begonnen werden, bis eine eindeutige Diagnose vorliegt. (ad)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Quellen:

  • European Journal of Case Reports in Internal Medicine: Being Licked by a Dog Can Be Fatal: Capnocytophaga canimorsus Sepsis with Purpura Fulminans in an Immunocompetent Man, (Abruf: 25.11.2019), European Journal of Case Reports in Internal Medicine
  • Universität Basel: Vom Tier zum Menschen: Wie gefährlich sind Bakterien?, (Abruf: 25.11.2019), Universität Basel


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