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Herzerkrankungen: Risiko durch Schlafmangel erhöht


Sozial benachteiligte Menschen haben häufiger Schlafprobleme

Zu wenig Schlaf scheint einer der Hauptgründe dafür zu sein, warum sozial benachteiligte Gruppen häufiger Herzerkrankungen entwickeln.

Bei der aktuellen Untersuchung des University Centre of General Medicine and Public Health (Unisanté) in der Schweiz wurde jetzt festgestellt, dass bei Menschen mit geringerem sozioökonomischen Status mangelnder Schlaf mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Herzerkrankungen verbunden ist. Die Ergebnisse der Studie wurden in der englischsprachigen Fachzeitschrift „Cardiovascular Research“ veröffentlicht.

Zu wenig Schlaf begünstigt Herzerkrankungen

Sozial benachteiligte Menschen erleiden häufiger Herzerkrankungen. Die neue Untersuchung versuchte jetzt den Grund für diese Verbindung festzustellen. Es stellte sich heraus, dass zu wenig Schlaf ein wichtiger Faktor für ein erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen darstellt.

Mögliche Gründe für Schlafprobleme

Menschen mit einem geringeren sozioökonomischen Status schlafen aus einer Vielzahl von Gründen schlechter oder einfach weniger. Betroffene Personen arbeiten häufiger in mehreren Jobs, sind Schichtarbeiter, leben in einer lauten Umgebung und sind stärkerem emotionalen und finanziellen Stress ausgesetzt.

Wenig Schlaf durch Arbeit erhöht Risiko für Herzerkrankungen

Bei der aktuellen Untersuchung handelte es sich um die erste große bevölkerungsbezogene Studie, welche untersuchte, ob Schlafmangel zumindest teilweise eine Erklärung darstellen könnte, warum ärmere Menschen häufiger von Herzkrankheiten betroffen sind. Es konnte festgestellt werden, dass in 13,4 Prozent aller Männer, die aufgrund der beruflichen Tätigkeit zu wenig erholsamen Schlaf bekommen, eine koronare Herzkrankheit entwickeln.

Frauen sind kombiniertem Stress ausgesetzt

Frauen mit einem niedrigen sozioökonomischen Status leiden häufig unter einer kombinierten physischen und psychosozialen Belastung durch schlecht bezahlte Jobs, Verantwortung im Haushalt und auftretendem Stress. Dies beeinflusse den Schlaf der Frauen und den damit verbundenen gesundheitsfördernden Effekt im Vergleich zu Männern negativ.

Wie kann der Schlaf verbessert werden?

Die Forschenden kommen zu dem Schluss, dass auf allen Ebenen der Gesellschaft Strukturreformen erforderlich sind, damit die Menschen mehr Schlaf finden. Beispielsweise sollten wir versuchen, Menschen besser vor Lärm zu schützen. Lärm sei eine sehr häufige Quelle für einen gestörten Schlaf. Doppelt verglaste Fenster, reduzierter Verkehr und keine Häuser in direkter Nähe von Autobahnen und Flughäfen, könnte hier Abhilfe schaffen.

Daten von 111.205 Menschen wurden ausgewertet

Die aktuelle Untersuchung war Teil des sogenannten Lifepath-Projekts und bündelte die Daten von acht Kohortenstudien mit insgesamt 111.205 Teilnehmenden aus vier europäischen Ländern. Der sozioökonomische Status wurde je nach Beruf des Vaters und persönlicher Tätigkeit als niedrig, mittel oder hoch eingestuft. Eine eventuelle medizinische Vorgeschichte von koronarer Herzkrankheit und Schlaganfall wurde durch klinische Beurteilung, Krankenakten und Selbstberichten ermittelt.

Wie viel Schlaf ist normal?

Die durchschnittliche Schlafdauer wurde von den Teilnehmenden selbst gemeldet und in Kategorien eingeteilt. Als empfohlener oder normaler Schlaf gelten sechs bis 8,5 Stunden, ein kurzer Schlaf beträgt unter 6 Stunden und ein langer Schlaf mehr als 8,5 Stunden.

Wie wurden die Auswirkungen von Schlaf berechnet?

Der Beitrag von unzureichendem Schlaf zu Herzerkrankungen wurde mit einem statistischen Ansatz untersucht, der als Mediationsanalyse bezeichnet wird. Bei dieser Analyse wird der Beitrag eines Zwischenfaktors (in diesem Fall die Schlafdauer) zu einem Zusammenhang zwischen der Hauptexposition (sozioökonomischer Status) und dem Hauptergebnis (koronare Herzkrankheit oder Schlaganfall) geschätzt. (as)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Quellen:

  • Dusan Petrovic, José Haba-Rubio, Carlos de Mestral Vargas, Michelle Kelly-Irving, Paolo Vineis et al.: The contribution of sleep to social inequalities in cardiovascular disorders: a multi-cohort study, in Cardiovascular Research (Abfrage: 22.11.2019), Cardiovascular Research



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