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Diese Heilpflanze soll bei Alkoholismus helfen


Kratombaumblätter sollen Alkoholkonsum reduzieren

Ein amerikanisches Forschungsteam untersuchte kürzlich die potenziellen Auswirkungen von Kratom auf Personen mit Alkoholproblemen. Dabei zeigte sich, dass der Pflanzenwirkstoff des Kratombaumes wirksam sein kann, um den Alkoholkonsum zu reduzieren. Allerdings ist Kratom selbst auch nicht ganz ungefährlich.

Forschende der Purdue University untersuchten im Rahmen einer Studie, ob sich der Pflanzenwirkstoff Kratom zur Behandlung gegen Alkoholismus einsetzen lässt. Ihre Ergebnisse präsentierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im „British Journal of Pharmacology“.

Was ist Kratom?

Mit Kratom sind in der Regel die Blätter des Kratom-Baums (Roter Sentolbaum, Mitragyna speciosa) gemeint, der in Thailand, Malaysia, Indonesien und Papua-Neuguinea wächst. Kratom wird oft in Form von Pulver oder als Kapseln angeboten. Niedrig dosiert soll es anregend wirken, höher dosiert beruhigend bis narkotisierend. In Südostasien wird Kratom stellenweise als Opiumersatz eingesetzt.

Wie wirkt Kratom?

Rund zehn Minuten nach der Einnahme soll sich die Wirkung der Blätter entfalten, die bis zu eineinhalb Stunden anhalten kann. Neben den oben genannten Effekten wird auch von einer erhöhten Aufmerksamkeit, einer gesteigerten Geselligkeit bis hin zu einer größeren sexuellen Begierde berichtet. Nach der Einnahme großer Menge (zehn bis 25 Gramm getrocknete Blätter) soll ein traumähnlicher Zustand eintreten, der bis zu sechs Stunden anhalten kann.

Es gibt so gut wie keine Medikamente gegen Alkoholismus

Alkohol zählt zusammen mit Tabak zu den am häufigsten missbrauchten Substanzen weltweit. In den USA sind fast 15 Millionen Menschen alkoholabhängig oder haben Probleme mit Alkohol. In Deutschland gelten rund drei Prozent der Erwachsenen als Alkoholiker/innen. „Eine große Herausforderung ist, dass Alkoholkonsumstörungen nicht ausreichend mit derzeit verfügbaren Medikamenten behandelt werden können“, erläutert Forschungsleiter Professor Richard van Rijn.

Neue Wege, um Alkoholkonsum zu reduzieren

Aus Mangel an medikamentöser Unterstützung untersuchte das Team um van Rijn, ob sich Kratom zur Unterstützung eignet, um den Alkoholkonsum zu reduzieren oder gänzlich aufzugeben. „Es gibt nur wenige allgemein wirksame medikamentöse Therapien zur Behandlung von Alkoholkonsumstörungen, daher ist es von entscheidender Bedeutung, neue und bessere Behandlungen zu finden, um Menschen bei der Bewältigung ihrer Krankheit zu unterstützen“, betont der Professor.

Wirksam, aber nicht ganz sicher

Die Purdue-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten in Zusammenarbeit mit Forschenden der Memorial Sloan-Kettering und der Washington University die möglichen Auswirkungen von Kratom und seinen Komponenten auf den Körper sowie die Fähigkeit der Blätter, den Alkoholkonsum zu reduzieren. „Unsere Arbeit zeigt, dass Kratom wirksam sein kann, um Störungen des Alkoholkonsums selbst zu behandeln”, resümiert van Rijn. Die Einnahme sei aber nicht ganz sicher, so die Forschenden.

Achtung: Diese Gefahren bestehen bei der Kratom-Nutzung

Die Verbraucherzentrale warnt vor Kratom-Einnahmen. Als unerwünschte Nebenwirkungen könnten Verstopfungen, Appetitlosigkeit, Leberschäden, Krampfanfälle, Halluzinationen und Verwirrtheit auftreten. Auch wurde von einigen Todesfällen in den USA berichtet. Es bestehe zudem ein Abhängigkeitsrisiko. Darüber hinaus könne Kratom in Kombination mit hohen Dosen Koffein zu Bluthochdruck führen und in Kombination mit Alkohol Atemnot auslösen.

Wie sieht die Rechtslage aus?

Kratom fällt derzeit nicht unter das Betäubungsmittelgesetz in Deutschland. Daher kann Kratom käuflich, beispielsweise über das Internet, erworben werden. Auch hier warnt die Verbraucherzentale davor, dass es keine Standardisierungen bei den Produkten gibt. Die Wirkstoffkonzentrationen seien unklar, außerdem wurden Produkte mit massiver Salmonellenbelastung gefunden. Einige Produkte enthielten auch problematisch hohe Mengen an giftigen Schwermetallen wie Blei und Nickel. (vb)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Diplom-Redakteur (FH) Volker Blasek

Quellen:

  • Richard M. van Rijn, Anna M. Gutridge, Meridith T. Robins, u.a.: G protein‐biased kratom‐alkaloids and synthetic carfentanil‐amide opioids as potential treatments for alcohol use disorder, British Journal of Pharmacology, 2019, bpspubs.onlinelibrary.wiley.com
  • Verbraucherzentrale: Kratom – Erhebliches Risiko (Abruf: 13.11.2019), verbraucherzentrale.de


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