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COPD im Frühstadium durch neues Diagnoseverfahren erkennen


COPD trotz steigender Gefahr immer noch vernachlässigt

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist eine sehr gefährliche und weit verbreitete Krankheit. Obwohl COPD in der öffentlichen Wahrnehmung eine nicht so große Rolle zu spielen scheint, ist die schwere Lungenerkrankung auf dem Vormarsch und wird laut WHO im Jahr 2030 die dritthäufigste Ursache für einen verfrühten Tod sein. Amerikanische Forschende entwickelten nun ein Diagnoseverfahren, mit dem COPD früher und effektiver erkannt werden kann.

Forschende vom National Jewish Health Krankenhaus stellten neue diagnostische Kriterien für die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung vor. Die neuen Diagnoseverfahren könnten mehr Patienten im Frühstadium der Erkrankung identifizieren, eine bessere Versorgung fördern sowie Forschung zur Verlangsamung und Prävention von COPD anregen. Die Studie wurde kürzlich in dem Fachjournal „Chronic Obstructive Pulmonary Diseases“ präsentiert.

Rauchen ist größter Risikofaktor

Wie das Forschungsteam berichtet, ist COPD eine komplexe Kombination aus entzündlichen Erkrankungen der Atemwege, chronischer Bronchitis und Emphysemen (ungewollte Luftansammlungen). Zwar ist Tabakkonsum mit Abstand der größte Risikofaktor für die Entstehung von COPD, rund 15 Prozent der Betroffenen haben aber nie geraucht.

COPD: Weitverbreitet und trotzdem unbekannt

Wie der Lungeninformationsdienst des Helmholtzentrums in München bekanntgibt, liegen bislang nur wenige Zahlen für die tatsächliche Verbreitung von COPD in Deutschland vor. Schätzungen aus dem Jahr 2010 gehen von 6,8 Millionen COPD-Erkrankungen aus. Die Weltgesundheitsorganisation WHO rechnet mit einem Anstieg auf 7,9 Millionen Krankheitsfälle in Deutschland bis zum Jahr 2030.

Neue Maßnahmen gegen COPD erforderlich

In den USA sieht die Situation ähnlich aus. Dort wurden nach Angaben des Forschungsteams ungefähr 12 Millionen Menschen mit COPD diagnostiziert. Die Dunkelziffer sei noch wesentlich höher. In den USA sterben jährlich rund 120.000 Menschen an der COPD. Das Team des renommierten National Jewish Health Krankenhauses entwickelte nun ein neues Diagnoseverfahren, mit dem die Krankheit früher und verlässlicher aufgedeckt werden kann.

Vorstoß gegen COPD

„Unsere vorgeschlagenen diagnostischen Kriterien erfassen besser das gesamte Spektrum der Menschen, die an COPD leiden“, erläutert Studienautor James Crapo. Dies könne sowohl zu einer besseren Versorgung der Betroffenen führen als auch die Forschung anregen, neue Therapien gegen die tödliche Lungenerkrankung zu entwickeln.

Ermittlung der Kriterien

Die Forschenden bewerteten 8.784 aktive und ehemalige Raucherinnen und Raucher. Sie dokumentierten die Exposition mit Tabakrauch, die Symptome wie Kurzatmigkeit, chronischen Husten und Schleim, strukturelle Anomalien bei CT-Scans wie Emphyseme, Gaseinschlüsse oder die Atemwegswandstärke, sowie die Lungenfunktion als auch das Gesamtvolumen der Lunge über einen Zeitraum von fünf Jahren.

Vier Kriterien zur COPD-Erkennung

Aus diesen Daten konnten die Forschenden die Kriterien herauskristallisieren, die am stärksten mit einem Verlust der Lungenfunktion und mit einer verfrühten Sterblichkeit in Verbindung stehen. Sie teilten die Kriterien in vier Kategorien auf:

  1. Raucherstatus (Exposition von Tabakrauch)
  2. Vorhandensein von Symptomen
  3. Anomalien beim CT-Scan
  4. Anomalien bei der Spirometrie

Zwei erfüllte Kriterien deuten auf COPD hin

Im Fall der Studie rauchten alle Teilnehmenden und erfüllten somit schon mal ein Kriterium. Raucherinnen und Raucher, die zusätzlich eines der anderen drei Kriterien erfüllten, standen unter Verdacht, an COPD zu leiden. Ihr Risiko für einen signifikanten Verlust der Lungenfunktion war 26 Prozent größer als bei Rauchenden, die keine zusätzlichen Kriterien erfüllen. Außerdem war das Risiko für einen vorzeitigen Tod bei der Gruppe mit zwei erfüllten Kriterien um 28 Prozent höher.

Bei drei Kriterien liegt wahrscheinliche COPD vor

Bei Raucherinnen und Raucher, die drei Kriterien erfüllten, war das Vorliegen einer COPD noch wahrscheinlicher. Sie hatten ein um 88 Prozent erhöhtes Risiko, ihre Lungenfunktion zu verlieren und ein um 89 Prozent größeres Risiko, frühzeitig zu versterben.

Hochrisikogruppe

Diejenigen, bei denen alle vier Kriterien erfüllt waren, lag definitiv eine COPD vor. Die Betroffenen aus dieser Gruppe hatten ein um 188 Prozent erhöhtes Risiko in den nächsten fünf Jahren signifikante Verluste der Lungenfunkion zu erleiden und ihr Sterberisiko stieg um das Fünffache.

Forschende fordern neues Diagnoseverfahren

„Wenn wir COPD nur anhand einer beeinträchtigten Lungenfunktion diagnostizieren, dann verpassen wir viele Patientinnen und Patienten im Frühstadium der Erkrankung“, resümiert Dr. Crapo. Durch die neue Diagnose könnten viel mehr Menschen mit COPD im Frühstadium ermittelt werden, die dann für klinische Studien herangezogen werden könnten, um Therapien zu entwickeln, mit denen die Krankheit in einem frühen Stadium verlangsamt oder sogar gestoppt werden könnte. (vb)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Diplom-Redakteur (FH) Volker Blasek

Quellen:

  • James D. Crapo, Katherine E. Lowe, Elizabeth A. Regan, u.a.: COPDGene® 2019: Redefining the Diagnosis of Chronic Obstructive Pulmonary Disease, Chronic Obstructive Pulmonary Diseases, 2019, journal.copdfoundation.org
  • WHO: Chronic obstructive pulmonary disease (COPD) (Abruf: 12.11.2019), who.int
  • Lungeninformationsdienst: COPD: Verbreitung (Abruf: 12.11.2019), lungeninformationsdienst.de


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