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Penis-Transplantation: Soldat bekommt nach Kriegsverletzung neues Genital


Bislang umfangreichste Penis-Transplantation durchgeführt

Weltweit wurden bislang nur vier Penistransplantationen erfolgreich durchgeführt. Ein aktueller Fallbericht beschreibt die bislang umfangreichste Transplantation dieser Art. Ein US-Soldat wurde bei einer Explosion in Afghanistan schwer verletzt. Er verlor dabei beide Beine unterhalb des Knies sowie seinen Penis samt Hodensack und Teile seiner Bauchdecke. Ein Ärzteteam setzte dem Veteranen ein Spenderglied ein.

Es ist wohl die spektakulärste Transplantation dieser Art. Ein Team aus Ärztinnen und Ärzten der Johns Hopkins School of Medicine, der Duke University School of Medicine und der Cooper University führte im März 2018 bei einem US-Veteranen eine vollständige Transplantation des Penis, des Hodensacks und der unteren Bauchdecke durch. Ein Jahr nach der Operation berichtet der Patient, dass sein Penis im vollem Maße funktionsfähig ist. Der Fall wurde kürzlich in dem „New England Journal of Medicine“ beschrieben.

Improvisierter Sprengsatz riss Glied und Beine ab

Bei einem Kampfeinsatz in Afghanistan im Jahr 2010 wurde ein US-Soldat, dessen Name aus Gründen der Privatsphäre nicht genannt wird, durch einen improvisierten Sprengsatz schwer verwundet. Bei der Explosion verlor der Betroffene beide Beine unterhalb des Knies sowie seinen Penis samt Hodensack und einen Teil seiner Bauchdecke. Der Soldat überlebte die schweren Verletzungen. Seine unteren Beine und sein Penis konnten aber nicht gerettet werden.

Neue Operationstechnik

Nachdem die Wunden verheilt waren blieb ein rund 1,5 Zentimeter langes Stück Penisgewebe mit Überresten der Harnröhre zurück. Der Hodensack fehlte restlos. Da das hinterbliebene Gewebe nicht für eine Transplantation ausreichte, entwickelte das Operationsteam extra für den Patienten eine neue Technik, bei der tieferliegende Arterien für die Wiederherstellung der Durchblutung verwendet wurden.

Operation dauerte 14 Stunden

In einer 14-stündigen Operation an der insgesamt 35 Medizinerinnen und Mediziner beteiligt waren, wurden dem Patienten ein Glied, der Hodensack und Teile der Bauchdecke eines Spenders transplantiert.

Patient hat sich gut erholt

Über ein Jahr später berichtet der Veteran nun über seinen Gesundheitszustand. Sein Glied kann normal erigieren und er kann einen Orgasmus erreichen. Außerdem kann er Gefühle im Penisschaft und der Eichel wahrnehmen. Auch das urinieren kann im Stehen und „mit einem starken Strom“ abgegeben werden, berichten die Ärztinnen und Ärzte.

Zurück im Leben

Dank Beinprothesen und dem neuen Genital erlebt der Veteran neun Jahre nach der schweren Verletzung nun wieder ein verbessertes Selbstbild. Er lebt völlig selbständig und arbeitet Vollzeit in einer Schule. Er selbst berichtet von einem „Gefühl der Ganzheit“ und erklärt, dass er mit der Transplantation und den damit verbundenen Auswirkungen auf seine Zukunft sehr zufrieden ist. (vb)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Diplom-Redakteur (FH) Volker Blasek

Quellen:

  • Richard J. Redett, III, Joanna W. Etra, Gerald Brandacher, u.a.: Total Penis, Scrotum, and Lower Abdominal Wall Transplantation, New England Journal of Medicine, 2019, nejm.org



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