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Neue Fälle des West-Nil-Virus in Deutschland nachgewiesen


Tropenvirus: Weitere Ausbreitung des West-Nil-Virus

In den vergangenen Monaten wurden aus verschiedenen Regionen Deutschlands Fälle des West-Nil-Virus (WNV) nachgewiesen. Der Erreger hat sich offenbar weiter ausgebreitet. Nun werden die ersten WNV-Nachweise aus Südbrandenburg gemeldet.

Im Landkreis Spree-Neiße und der Stadt Cottbus sind vier amtlich bestätigte Fälle des West-Nil-Virus (WNV) nachgewiesen worden. Das teilte der Landkreis Spree-Neiße in einer Pressemitteilung mit. Der Erreger, mit dem sich auch Menschen infizieren können, ist erst seit relativ kurzer Zeit in Deutschland anzutreffen. Doch seit dem ersten Auftreten wurden aus zahlreichen Regionen West-Nil-Virus-Fälle gemeldet.

Erreger hat offenbar in Deutschland überwintert

Nachdem das West-Nil-Virus (WNV) in Deutschland im Jahr 2018 erstmals bei zwölf Vögeln und zwei Pferden nachgewiesen wurde, verstärkte sich im Juli 2019 die Annahme, dass das Tropenvirus in Deutschland überwintert hat. „2019 wurden deutschlandweit (konzentriert auf Sachsen-Anhalt, Sachsen, Berlin und Brandenburg) bislang 81 Fälle angezeigt, darunter finden sich nunmehr vier amtlich bestätigte Ergebnisse aus dem Landkreis Spree-Neiße und der Stadt Cottbus“, heißt es in der Mitteilung des Landkreises.

Pferde sollen geimpft werden

Es wird darauf hingewiesen, dass die Infektion mit dem Virus seit 2009 eine anzeigepflichtige Tierseuche darstellt und Erkrankungen bei Vögeln und Pferden aber auch dem Menschen hervorrufen kann. Für Pferde gibt es verschiedene zugelassene WNV-Impfstoffe. Das Veterinäramt empfiehlt Pferdehaltern, ihre Tiere durch Impfungen effektiv vor den klinischen Symptomen einer Infektion zu schützen. Weil nicht jede Infektion klinisch auffallen muss, kann vor der Impfung eine Blutuntersuchung durchgeführt werden, deren Ergebnis gegebenenfalls Auswirkungen auf das Impfschema hat.

Erste Infektion eines Menschen in Deutschland

„Das WNV stammt ursprünglich aus Afrika, ist mittlerweile aber in den meisten Kontinenten (Europa, Asien, Afrika, Australien, Nord-, Zentral- und Südamerika), oft in tropischen Regionen, verbreitet“, schreibt das Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt auf seiner Webseite. Auch Menschen können sich infizieren.

Letztes Jahr war die erste West-Nil-Virus-Infektion in Deutschland gemeldet worden. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) erläuterte damals in einer Mitteilung, dass ein Tierarzt in Bayern wenige Tage nach der Obduktion eines an West-Nil-Virus verendeten Vogels an West-Nil-Fieber erkrankt war. Laut dem LGL erfolgte die Übertragung des Virus mit hoher Wahrscheinlichkeit durch direkten Kontakt mit erregerhaltigen Körperflüssigkeiten des verendeten Vogels. „Dies ist die erste bekannte Übertragung von West-Nil-Virus auf einen Menschen innerhalb Deutschlands“, erklärte das LGL.

Vor Mückenstichen schützen

Infektionen beim Menschen verlaufen zu etwa 80 Prozent ohne Symptome und bei knapp 20 Prozent mit meist milder und unspezifischer Symptomatik wie Fieber oder Hautausschlag. „In weniger als einem Prozent der Infektionen kommt es allerdings zu einem schweren, hoch fieberhaften Krankheitsverlauf mit Meningitis oder Enzephalitis, der zu bleibenden neurologischen Schädigungen führen kann und in seltenen Fällen tödlich endet“, so das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) in einer älteren Mitteilung.

Eine Schutzimpfung für Menschen gibt es bislang nicht. Wie bei anderen durch Mücken übertragbaren Krankheiten zählen eine Vermeidung von Mückenstichen durch entsprechende Kleidung und Repellents (Insektenabwehrmittel) sowie die Reduzierung möglicher Brutstätten zu den Schutzmaßnahmen. (ad)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.



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