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Frauen fällt das Rauchen aufgeben schwerer als Männern


Studie: Rauchentwöhnung fällt Frauen deutlich schwerer

Einer neuen wissenschaftlichen Untersuchung zufolge fällt Frauen das Rauchen aufgeben deutlich schwerer als Männern. Die Forschenden können zwar nicht eindeutig erklären, warum das so ist, doch die Ergebnisse betonen die Notwendigkeit geschlechtsspezifischer Interventionen zur Rauchentwöhnung.

Laut einer neuen Studie, die auf dem Canadian Cardiovascular Congress 2019 (CCC) vorgestellt wurde, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen mit dem Rauchen aufhören, halb so hoch wie bei Männern. Die Erschwinglichkeit von Medikamenten zur Rauchentwöhnung war ein weiteres Hindernis für den Erfolg, berichtet die European Society of Cardiology (ESC) in einer Mitteilung.

Angstzustände und Depressionen könnten Rauchentwöhnung stören

„In unserer Studie hatten Frauen eine höhere Prävalenz von Angstzuständen oder Depressionen als Männer (41% gegenüber 21%), was möglicherweise den Prozess der Rauchentwöhnung störte“, sagte Studienautorin Dr. Carolina Gonzaga Carvalho vom St. Michael’s Hospital in Toronto (Kanada). „Auch hormonelle oder soziale Faktoren könnten eine Rolle spielen. Unsere Beobachtungsstudie kann nicht beantworten, warum es zu diesen Unterschieden kommt, aber sie spricht für die Notwendigkeit einer geschlechtsspezifischen Analyse und Behandlung.“

Häufigste Ursache für vermeidbare Todesfälle

Das Rauchen von Tabak ist weltweit die häufigste Ursache für vermeidbare Todesfälle. Programme zur Rauchentwöhnung helfen einigen Menschen, mit dem Rauchen aufzuhören, aber nur wenige Studien haben ihre Wirksamkeit in bestimmten Bevölkerungsgruppen bewertet. Die aktuelle Studie untersuchte die Prädiktoren für den Erfolg beim Aufhören oder Reduzieren des Rauchens bei Patientinnen und Patienten, die an einem Programm zur Rauchentwöhnung im St. Michael’s Hospital in Toronto teilnahmen.

Die Analyse umfasste 233 Patientinnen und Patienten, die zwischen 2008 und 2018 mindestens zweimal die Klinik besuchten. Die Teilnehmenden erhielten eine individualisierte ärztliche Beratung und gegebenenfalls die Verschreibung von Medikamenten wie Nikotinersatztherapie (Zahnfleisch, Pastille, Pflaster, Inhalator, Spray), Bupropion oder Vareniclin (zwei Arzneistoffe zur Rauchentwöhnung) – je nach den Präferenzen und Kontraindikationen der Betroffenen.

Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden betrug 56 Jahre und 35 Prozent waren weiblich. Sie gaben an, 37 Jahre lang durchschnittlich 18 Zigaretten pro Tag geraucht zu haben. Zwei Drittel (66 Prozent) hatten Dyslipidämie (eine Fettstoffwechselstörung), 66 Prozent hatten Bluthochdruck, 44 Prozent hatten eine Erkrankung der Herzkranzgefäße und 28 Prozent hatten Depressionen oder Angstzustände.

Nach einem halben Jahr hatte ein Viertel der Teilnehmenden mit dem Rauchen aufgehört

Nach sechs Monaten hatten 58 (25 Prozent) der Teilnehmenden mit dem Rauchen aufgehört und 68 (29 Prozent) hatten die tägliche Zigarettenanzahl um mehr als 50 Prozent reduziert. In der logistischen Regressionsanalyse zeigte sich, dass die Anzahl der Klinikbesuche der stärkste Indikator für eine erfolgreiche Rauchentwöhnung war, dass aber auch das Geschlecht eine wesentliche Rolle spielte: demnach war die Wahrscheinlichkeit, mit dem Rauchen aufzuhören, bei Frauen nur halb so hoch wie bei Männern.

Rauchentwöhnung: Je früher desto besser

Dr. Gonzaga Carvalho sagte: „Das weibliche Geschlecht und die Erschwinglichkeit von Medikamenten waren unabhängige Prädiktoren für die Unfähigkeit, das Rauchen aufzugeben oder signifikant zu reduzieren. Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass eine Politik zur Deckung der finanziellen Kosten von Medikamenten zur Rauchentwöhnung die Abbruchquoten verbessert.“ Die Wissenschaftlerin bezog sich dabei auf eine Veröffentlichung im Fachmagazin „BMC Public Health“. „Die Anzahl der Klinikbesuche war der stärkste Indikator für eine erfolgreiche Rauchentwöhnung oder -reduzierung“, so Dr. Gonzaga Carvalho. „Dies unterstreicht die Wichtigkeit dieser Termine, bei denen Beratung angeboten wird und die Medikation besprochen und nach Bedarf angepasst wird.“

Wie die ESC schreibt, haben frühere Studien gezeigt, dass die Einnahme von Vareniclin im Vergleich zu Placebo und anderen Medikamenten mit einem größeren Erfolg bei der Rauchentwöhnung verbunden ist, und die aktuelle Studie stimmt mit diesen Ergebnissen überein. „Vareniclin verringert die Entzugssymptome und hat möglicherweise das Verlangen nach Nikotin bei unseren Patienten verringert, was womöglich den Rückfall verringert“, erläuterte Dr. Gonzaga Carvalho.

Sie schloss: „Unsere Studie betont die Notwendigkeit geschlechtsspezifischer Interventionen und finanzieller Absicherung von Medikamenten zur Rauchentwöhnung. Unsere Botschaft an die Rauchenden ist, dass die Rauchentwöhnung mit Hilfe erreichbar ist. Holen Sie sich Unterstützung und nehmen Sie an einem Programm zur Rauchentwöhnung teil, bei dem die individuellen Bedürfnisse bewertet und ein Plan zur Rauchentwöhnung entwickelt wird. Je früher desto besser.“

Lebenslange Raucher verlieren zehn Lebensjahre

Dr. Anique Ducharme, Vorsitzende des Wissenschaftlichen Programmkomitees des CCC 2019, sagte: „Diese Studie bietet wichtige Erkenntnisse, die dem medizinischen Fachpersonal helfen sollen, die Rauchentwöhnung mit ihren Patienten zu besprechen. Es wird dringend ein geschlechtsspezifischer Ansatz benötigt, um auch für Frauen gute Ergebnisse zu erzielen und potenziell Angstzustände oder Depressionen sowie hormonelle und soziale Faktoren zu bekämpfen, die alle eine Rolle zu spielen scheinen.“

Und Dr. Chiara Bucciarelli-Ducci, Kursleiterin des ESC-Programms beim CCC 2019, erklärte: „Rauchen ist eine schädliche Suchtstörung. Ein lebenslanger Raucher hat eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit aufgrund des Rauchens zu sterben und verliert im Durchschnitt zehn Lebensjahre. Etwas weniger als die Hälfte aller Raucher raucht bis zum Tod.“ In den ESC-Richtlinien wird laut der Expertin empfohlen, Raucher zu identifizieren und wiederholt Ratschläge zum Rauch-Stopp zu geben.

Wie die Deutsche Herzstiftung auf ihrer Webseite schreibt, stehen die, die mit dem Rauchen aufhören möchten, heute vor einer großen Auswahl an Hilfsangeboten. „Welcher Ansatz am besten ist, muss immer individuell geprüft werden, da die Reaktionen auf den Zigaretten-Entzug unterschiedlich ausfallen. Optimal ist deshalb eine kurze Beratung, bei der sich diese Dinge unkompliziert klären lassen“, schreibt die Herzstiftung. (ad)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Quellen:

  • European Society of Cardiology (ESC): Women find it more difficult to quit smoking, (Abruf: 30.10.2019), European Society of Cardiology (ESC)
  • BMC Public Health: A pragmatic, randomized, controlled study evaluating the impact of access to smoking cessation pharmacotherapy coverage on the proportion of successful quitters in a Canadian population of smokers motivated to quit (ACCESSATION), (Abruf: 30.10.2019), US National Library of Medicine - National Institutes of Health
  • Circulation: Efficacy and safety of varenicline for smoking cessation in patients with cardiovascular disease: a randomized trial, (Abruf: 30.10.2019), US National Library of Medicine - National Institutes of Health
  • Deutsche Herzstiftung: Mit Rauchen aufhören: Welche Hilfe ist von Medikamenten zu erwarten?, (Abruf: 30.10.2019), Deutsche Herzstiftung
  • European Heart Journal: 2016 European Guidelines on cardiovascular disease prevention in clinical practice: The Sixth Joint Task Force of the European Society of Cardiology and Other Societies on Cardiovascular Disease Prevention in Clinical Practice (constituted by representatives of 10 societies and by invited experts) Developed with the special contribution of the European Association for Cardiovascular Prevention & Rehabilitation (EACPR), (Abruf: 30.10.2019), Oxford Academic


Video: Rauchen aufhören Ben kämpft mit seiner Nikotin-Sucht. reporter (Juli 2021).