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Narzissmus schützt vor Stress und Depressionen

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Narzissmus als Selbstschutzmechanismus

Selbstbewunderung und Selbstverliebtheit sind Werte, die mit der Charaktereigenschaft Narzissmus in Verbindung gebracht werden. Nehmen diese Züge überhand, spricht man von einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Ein Studienteam aus Belfast zeigte nun, dass Personen mit narzisstischen Persönlichkeitsmerkmalen weniger anfällig für Stress und Depressionen sind.

Forschende der Queen’s University Belfast fanden im Rahmen einer aktuellen Studie heraus, dass das Persönlichkeitsmerkmal Narzissmus mit einem geringeren Risiko für Stress und Depressionen in Verbindung steht. Narzisstisch veranlagte Menschen seien eher „mental hart“, was sie vor den Auswirkungen von Stress schützen kann. Bei sogenannten grandiosen Narzissten seien die Auswirkungen besonders deutlich. Die Ergebnisse wurden kürzlich in dem Fachjournalen „Personality and Individual Differences“ und „European Psychiatry“ veröffentlicht.

Narzissmus als Teil des dunklen Dreiklangs

Narzisstische Persönlichkeitsmerkmale werden in den meisten Gesellschaften tendenziell eher als negativ wahrgenommenen. „Narzissmus ist Teil des sogenannten Dunklen Dreiklangs“, erklärt Forschungsleiter Dr. Kostas Papageorgiou. Der Dunkle Dreiklang beschreibt die Zusammenhänge der Persönlichkeitsmerkmale Narzissmus, Machiavellismus, Psychopathie und Sadismus, bei denen immer wieder Überlappungen festgestellt werden.

Grandiose und verletzliche Narzissten

Narzissten fokussieren ihre Handlungen auf die eigene Person und die eigenen Vorteile. Oft nutzen sie einen gefühllosen und manipulativen Stil, um ihre Ziele zu erreichen. Unterschieden wird zwischen zwei unterschiedlichen Narzissmus-Typen: dem verletzlichen und dem grandiosen Narzissten. Während verletzliche Narzissten sich eher defensiver verhalten und andere Personen oft als feindselig gesinnt wahrnehmen, betrachten grandiose Narzissten ihr Handeln mit einem übertriebenen Gefühl der Wichtigkeit. Eine Beschäftigung mit Status und Macht zu haben, ist für viele Narzissten besonders wichtig.

Ist Narzissmus immer negativ?

„Narzisstisch veranlagte Individuen verhalten sich in der Regel risikoreich, haben eine unrealistisch überlegene Sichtweise auf sich selbst, zeigen sich übertrieben selbstbewusst und haben wenig Mitgefühl für andere“, fasst Dr. Papageorgiou zusammen. Wie einige Studien bereits zeigten, nimmt die Anzahl an Narzissten in modernen Gesellschaften zu. Um die Folgen des zunehmenden Narzissmus besser abschätzen zu können und um die positiven Aspekte dieses Trends herauszufinden, untersuchten die Forschenden Daten aus drei unabhängigen Studien über Narzissmus mit insgesamt über 700 Teilnehmenden.

Narzissmus erhöht die mentale Belastbarkeit

Wie die Forschenden berichten, ist ein zentrales Ergebnis der Forschung, dass Personen mit grandiosem Narzissmus eher mental härter sind und dies dabei hilft, Symptome von Depressionen auszugleichen. Darüber hinaus sei der wahrgenommene Stress niedriger und somit die schädlichen Auswirkungen von Stress geringer. „Die Ergebnisse aller von uns durchgeführten Studien zeigen, dass grandioser Narzissmus mit sehr positiven Komponenten der mentalen Belastbarkeit korreliert“, resümiert der Studienleiter. Obwohl natürlich nicht alle Dimensionen des Narzissmus gut seien, können bestimmte Aspekte zu positiven Ergebnissen führen.

Vom Schwarz-Weiß-Denken verabschieden

„Diese Arbeit fördert die Vielfalt und Inklusivität von Menschen und Ideen, indem sie sich dafür einsetzt, dass dunkle Merkmale wie Narzissmus nicht als gut oder schlecht angesehen werden sollten, sondern als Produkte der Evolution und Ausdrucksformen der menschlichen Natur, die je nach Kontext nützlich oder schädlich sein können“, kommentiert der Psychologieexperte. Dieser Schritt könne dazu beitragen, die Marginalisierung von Individuen zu verringern. (vb)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Diplom-Redakteur (FH) Volker Blasek

Quellen:

  • Queen's University Belfast: Narcissism might be a dark trait but it can lower stress levels and reduce chances of depression (Abruf: 29.10.2019), qub.ac.uk
  • Kostas A. Papageorgiou, Foteini-Maria Gianniou, Paul Wilson, u.a.: The bright side of dark: Exploring the positive effect of narcissism on perceived stress through mental toughness, Personality and Individual Differences, Volume 139, March 2019, sciencedirect.com
  • Kostas A. Papageorgiou, Andrew Denovan, Neil Dagnall: The positive effect of narcissism on depressive symptoms through mental toughness: Narcissism may be a dark trait but it does help with seeing the world less grey, European Psychiatry, Volume 55, January 2019, sciencedirect.com



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