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Winterdepression: Was wirklich gegen den Herbstblues hilft


Viel Tageslicht und Bewegung helfen gegen den Herbstblues

Viele Menschen entwickeln in der dunklen Jahreszeit eine saisonal abhängige Depression (SAD), die auch als Winterdepression oder als Winter- beziehungsweise Herbstblues bezeichnet wird. Um vorzubeugen und dagegen anzugehen, sollte man sich ausreichend bewegen, gesund ernähren und möglichst viel Tageslicht tanken.

Trübes Wetter und kalte verregnete Herbstnachmittage: Die dunkle Jahreszeit kann stark auf das Gemüt drücken. Laien sprechen dann gern von einem Herbst- oder Winterblues. Fachleute bezeichnen die im Herbst sinkende Stimmung als „saisonal abhängige Depression“, abgekürzt SAD, erklärt die Verbraucherzentrale Bremen in einer Mitteilung. Die Verbraucherschützer erläutern, woran eine SAD erkannt wird, wie sie sich von einer echten Depression unterscheidet, was die Ursachen sind und was man dagegen unternehmen kann.

Niedergeschlagen und antriebslos

Wie der Name schon sagt, beginnt der Herbstblues im Herbst und zieht sich bis in die Frühjahrsmonate hin. Betroffene fühlen sich meist niedergeschlagen, energie- und antriebslos und fahren oft schnell aus der Haut. Häufig kommen noch atypische Symptome wie längeres Schlafen und verstärkter Heißhunger auf Süßes hinzu. Dagegen treten bei der „echten“ Depression eher Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme sowie zu wenig Schlaf auf.

Lichtmangel in der dunklen Jahreszeit

Laut der Verbraucherzentrale wird für die Entstehung einer SAD in erster Linie der Lichtmangel in der Zeit von November bis Februar verantwortlich gemacht. An den kürzeren Tagen trifft weniger natürliches Tageslicht auf die Netzhaut. Dies beeinflusst die Zirbeldrüse im Gehirn, die mit dem Sehnerv verbunden ist. Sie schüttet dann vermehrt Melatonin (Schlafhormon) aus, wodurch wir müde und energielos werden; unsere Stimmung sinkt. Außerdem gehen Wissenschaftler davon aus, dass auch der Hirnbotenstoff Serotonin an der Winterdepression beteiligt ist. Er ist unter anderem für die Regulation von Emotionen zuständig und wird oft als „Glückshormon“ bezeichnet.

Aktiv werden

Man sollte sich dem Herbstblues nicht einfach hingeben und sich unter der Bettdecke verkriechen, sondern aktiv etwas dagegen unternehmen. Eine gute Strategie gegen die SAD ist, möglichst viel Tageslicht aufzunehmen, dieses wirkt sich positiv auf die Stimmung aus. Dies hat mit der Bildung bestimmter Hormone zu tun: Der menschliche Körper produziert unter Einfluss von Sonnenlicht verstärkt Endorphine und schüttet vermehrt den stimmungsaufhellenden Botenstoff Serotonin aus.

Auch bei bedecktem Himmel und mit Schirm und selbst bei Regen bekommt man Tageslicht ab. Wer aber draußen nicht genug Sonnenlicht abbekommt, kann es auch mit einer Lichttherapie versuchen. Denn: „Viele Studien weisen darauf hin, dass die Lichttherapie besonders bei saisonal bedingten Depressionen wirkt“, erklärt die Stiftung Deutsche Depressionshilfe auf ihrer Webseite. Wichtig ist zudem, sich ausreichend zu bewegen. Bewegung ist ein wirksames Antidepressivum. Egal ob Spazierengehen, Joggen oder Fahrradfahren: Bewegung und Licht bringen besonderes am Morgen die Stimmung auf Trab.

Richtige Ernährung hebt die Stimmung an

Menschen, die in den dunklen Monaten zu Depressionen neigen, essen laut den Verbraucherschützern in dieser Zeit deutlich mehr süße, kohlenhydratreiche Nahrung. Wer im Laufe der dunklen Monate nicht auch noch mit zu viel „Winterspeck“ kämpfen möchte, sollte sich schon deshalb an der frischen Luft bewegen. Frisches Gemüse wie Grünkohl und Co., Hülsenfrüchte, Bananen, Datteln oder Feigen sowie Nüsse und Fisch sind geeignete Lebensmittel gegen die Winterantrieblosigkeit. Der Verbraucherzentrale zufolge haben Untersuchungen gezeigt, dass eine ausgewogene Kost mit Vollkornprodukten, Gemüse und Obst die Stimmung anheben kann. Dagegen bremst viel tierisches Eiweiß durch den Verzehr von zu viel Käse, Milch und Fleisch die Bildung von Serotonin aus.

Von Nahrungsergänzungsmitteln ist abzuraten

Wie die Verbraucherschützer schreiben, wurden in den vergangenen Jahren verstärkt auch Nahrungsergänzungsmitteln beworben. Die Hersteller werben unter anderem damit, dass ihre Produkte bei Antriebslosigkeit und Lustlosigkeit, bei dem Bedürfnis nach mehr Schlaf oder Schlafstörungen, aber auch bei Appetitlosigkeit und Gewichtsabnahme helfen können.

Die Präparate werden oft als rein pflanzlich beworben, erscheinen auf den ersten Blick natürlich und harmlos. In Wirklichkeit können gerade solche Mittel, die häufig über das Internet vertrieben werden, gesundheitlich riskante, zum Teil stark pharmakologisch wirksame Substanzen erhalten. Obwohl Nahrungsergänzungsmittel rechtlich so eingestuft werden wie Lebensmittel, unterscheiden sie sich von natürlichen Nahrungsmitteln. Sie enthalten Nährstoffe in konzentrierter isolierter Form, weshalb Überdosierungen eher möglich sind. Wer Medikamente nimmt und zusätzlich Nahrungsergänzungsmittel verwenden möchte, sollte daher unbedingt mit seinem Arzt oder Apotheker sprechen, um Wechselwirkungen zu vermeiden. (ad)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.


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