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Individuelles Brustkrebsrisiko anhand des Blutes vorhersagen


Frauen mit erhöhtem Brustkrebsrisiko frühzeitig identifizieren und präventiv behandeln

Jedes Jahr erkranken hierzulande zehntausende Frauen an Brustkrebs. Wie bei den meisten Krebsarten sind auch beim Mammakarzinom die eigentlichen Ursachen noch immer weitgehend unbekannt. Womöglich könnte eine veränderte Zusammensetzung von Immunzellen im Blut eine wichtige Rolle dabei spielen.

Der Deutschen Krebsgesellschaft zufolge erhalten hierzulande pro Jahr mehr als 70.000 Frauen die Diagnose Brustkrebs. Etwa 17.000 Patientinnen sterben an den Folgen. Wie diese Tumorart genau entsteht, ist noch immer weitgehend unbekannt. Wie die Deutsche Krebshilfe in einer Mitteilung berichtet, gehen Forschende aus Heidelberg nun der Vermutung nach, dass eine veränderte Zusammensetzung von Immunzellen im Blut eine wichtige Rolle dabei spielt. Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, könnten sie Frauen mit erhöhtem Risiko in Zukunft möglicherweise durch eine Analyse der Immunzellen frühzeitig identifizieren und präventiv behandeln. Die Vision der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler: den Ausbruch der Krankheit verzögern oder sogar verhindern.

Blut enthält viele verschiedene Immunzellen

Wie die Deutsche Krebshilfe erklärt, enthält Blut viele verschiedene Immunzellen, die den Körper in ihrer Gesamtheit effektiv vor Krankheiten schützen. Eine große Gruppe sind die T-Zellen, zu denen T-Helferzellen, Natürliche Killer-T-Zellen sowie immununterdrückende T-Zellen gehören. Doch welche Rolle spielt das Abwehrsystem bei der Entstehung von Brustkrebs? „Wir vermuten, dass sich die Zusammensetzung der Immunzellen von Frau zu Frau unterscheidet. Frauen mit einer insgesamt schwächeren Abwehr haben möglicherweise ein höheres Erkrankungsrisiko,“ erläutert Professor Dr. Rudolf Kaaks, Leiter der Abteilung Epidemiologie von Krebserkrankungen am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg.

Erkenntnisse aus vorangegangener Studie

Erste Erkenntnisse hierzu liefert eine vorangegangene, kleinere Studie von Kaaks und seinen Kollegen mit fast 400 Brustkrebspatientinnen und etwa 400 Kontrollpersonen ohne Krebs: Frauen, bei denen die Menge von immununterdrückenden T-Zellen im Verhältnis zur Gesamtzahl der T Zellen erhöht war, hatten ein größeres Risiko, am sogenannten Hormonrezeptor-negativen Brustkrebs zu erkranken. „In diesen ersten Ergebnissen sehen wir ein großes Potenzial“, so Kaaks. „Deswegen gehen wir jetzt einen Schritt weiter und untersuchen die Blutproben ausgewählter Frauen noch umfassender.“

Neue Methode erleichtert Forschenden die Arbeit

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nutzen dafür erneut Daten der großen EPIC-Studie, die bereits seit 1992 läuft und in die über 500.000 Teilnehmer eingeschlossen sind. EPIC steht für „European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition“, was so viel bedeutet wie „europaweite Studie, die den Zusammenhang von Ernährung und Krebs untersucht“. Zu Beginn der Studie haben alle Teilnehmenden auch eine Blutprobe abgegeben. Diese werden bis heute tiefgefroren gelagert und stehen für Analysen zur Verfügung.

Im Laufe der Zeit sind einige der Frauen in der EPIC-Studie an Brustkrebs erkrankt. Kaaks und sein Team haben insgesamt knapp 1.000 Patientinnen ausgewählt und jeweils eine gesunde Frau als Pendant mit sehr ähnlichen „Eckdaten“ wie beispielsweise dem Alter. Den Angaben zufolge sind alle Patientinnen entweder an einem Hormonrezeptor-negativen oder einer anderen Tumorform, dem HER2-positiven Brustkrebs, erkrankt.

Die Forschenden analysieren nun die Immunzellen in den eingefrorenen Blutproben. Neben den verschiedenen T-Zellen bestimmen sie auch die Mengen von sogenannten myeloiden Suppressorzellen und Monozyten. Anschließend wird geprüft, welche Veränderungen die Wahrscheinlichkeit für einen Hormonrezeptor-negativen oder HER2-positiven Brustkrebs erhöhen.

Dass die WissenschaftlerInnen erst jetzt mit dem Blut aus der EPIC-Studie arbeiten können, hat einen einfachen Grund: „Dank einer neuen Methode können wir die Mengen unterschiedlicher Immunzellen mithilfe der DNA im Blut bestimmen. Bis dato war eine Analyse nur mit intakten Zellen möglich,“ erklärt Kaaks.

Frauen mit niedriger Immunabwehr präventiv behandeln

Wenn die Analyse der Immunzellen das Erkrankungsrisiko zuverlässig vorhersagt, wäre es denkbar, Frauen mit niedriger Immunabwehr und erhöhtem Brustkrebsrisiko zukünftig präventiv – zum Beispiel mit einer prophylaktischen Impfung – zu behandeln.

„Die Deutsche Krebshilfe setzt sich seit fast 45 Jahren für die Prävention von Krebskrankheiten ein“, so Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe. „Neben der kontinuierlichen Aufklärungsarbeit über bekannte Risikofaktoren wie Rauchen, Alkoholkonsum oder Bewegungsmangel stellt die Forschungsförderung auf diesem Gebiet ebenfalls ein zentrales Anliegen der Deutschen Krebshilfe dar. Denn Forschung ist nicht nur die Grundlage für wirksamere Krebstherapien, sondern auch für neue Präventionsstrategien.“ (ad)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.


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