Ganzheitliche Medizin

Narbenpflege: So werden Narben unsichtbar


Optimale Pflege und Tipps für die unsichtbare Narbe

Narben empfinden die meisten Menschen als unschöne Erinnerung an zurückliegende Verletzungen oder Operationen, wobei auch gesundheitliche Beeinträchtigungen durch eine starke Vernarbung des Gewebes bedingt werden können. Dr. Timo Spanholtz, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie, erläutert, welche Pflegemaßnahmen zu einem perfekten Narbenbild führen können, was oftmals vergessen wird und welche Produkte am Markt verfügbar sind.

Auch heute gelten in einigen Kreisen Narben im Gesicht als schick! Wenn Sie dies nicht glauben können, denken Sie an „schlagende Studentenverbindungen“, welche sich per Säbelhieb Statussymbole im Gesicht zufügten und sogar Pferdehaare in die Wunden nähten, um die Narbe sichtbarer werden zu lassen. Die meisten Patienten haben allerdings genau das gegenteilige Interesse.

Nach Operationen in der plastischen Chirurgie wie Facelifts, Brustvergrößerungen, Bruststraffungen oder Bauchdeckenstraffungen ist der Wunsch unserer Patientin das genaue Gegenteil: eine unsichtbare Narbe. Und dies nicht nur, weil rote Narben oder wulstige Narben die Ästhetik stören – Narben können auch Schmerzen verursachen, unerträglich jucken oder die Beweglichkeit des Körpers einschränken. Narbenheilung bedarf einer langen Zeit, da die Wunde anfänglich heilt, die Narbe selber aber eher „reift“, sich also in einem langen Prozess langsam dem „normalen“ umgebenden Gewebe wieder anpasst. Die Narbenheilung wird durch unzählige Faktoren beeinflusst, weshalb es in vielen Fällen auch zu einer gestörten Narbenbildung kommen kann.

Narbentypen: Ärzte unterteilen fibröse, sklerotische, atrophe, hypertrophe und Keloidnarben

NarbentypSynonymAussehenBehandlung
Fibröse Narbe„normale“ NarbenMeist leicht differentes Aussehen zur umgebenden Haut, sonst unauffälligkeine
Sklerotische NarbeSchrumpfnarbeNarbe mit sehr hartem, zusammengezogenem Gewebe; oft funktionell behinderndFrühstadium: Narbenpflege Spätstadium: chirurgische Entfernung, neue Naht und sofortige Narbenpflege
Atrophe NarbeEingesunkene Narbe, eingezogene Narbein die Tiefe eingezogene Narbe mit umgebendem Krater, ggf. nicht über Untergrund verschieblichFrühstadium: Narbenpflege
Spätstadium: chirurgische Entfernung, neue Naht und sofortige Narbenpflege
Hypertrophe NarbeWuchernarbe, Wulstnarbe
(im „normalen“ Rahmen)
„zu viel“ Narbengewebebildung auf die Ränder der Narbe begrenzt, kann im Rahmen der Reifung auftreten und sich dann wieder rückbildenIntensive Narbenpflege evtl. in Kombination mit Zusatzverfahren (Kortisoninjektion, Mesotherapie etc)
KeloidnarbeWuchernarbe, Wulstnarbe
(nicht mehr im „normalen“ Rahmen)
Diese spezielle Form der Narbenwucherung betrifft die Narbe selber UND das angrenzende „gesunde“ GewebeKomplexe Therapien denkbar; mit plastischem Chirurgen oder Dermatologen absprechen

Sie selber können die Reifung der Narbe durch einige einfache Maßnahmen beeinflussen. Wir haben Ihnen hierzu in der Folge einige Tipps auf der Basis unserer jahrelangen klinischen Erfahrung zusammengestellt.

Narbenpflegecreme, Narbenpflegepflaster, Sonnenschutz – Was ist das Richtige?

Viele Chirurgen empfehlen leider keinerlei Narbenpflege nach einer Operation, da sie die Narbe als „schicksalhafte Folge der OP“ verstehen, oder sich mehr für die Resultate der eigentlichen OP interessieren, als für die Qualität der Narbe. Es gibt seit vielen Jahren verschiedene Narbenpflegen wie Bepanthen® (welche einen praktischen Massagestift anbietet), Scarsil®, Contractubex® oder Kelofibrase® auf dem Markt. Viele Produkte greifen auf eher konventionelle Inhaltsstoffe wie Zwiebelextrakt, Allantoin oder Heparin zurück. Ebenfalls benötigte Produkte wie Narbenpflaster finden sich leider bisher bei wenigen Anbietern aus der gleichen Hand. Auch innovative oder gar patentierte Wirkstoffe, welche gezielt die Narbenreifung beeinflussen, sind die Ausnahme.

Nur ein einziges der Produkte bietet bislang einen integrierten Sonnenschutz, welcher aber besonders für Narben an der unbekleideten Haut immens wichtig ist. Die Ausnahme bildet hier Scarcare®, eine neue Narbenpflege mit drei Inhaltsstoffe, die in der Kombination eine optimale Narbenreifung ermöglichen sollen. Der patentierte „Wirkstoff des Jahres 2015“ Spiralin® (ausgezeichnet u.a. von der Fachzeitschrift „Ästhetische Dermatologie“) wird aus einem Millionen Jahre alten Mikroalgenorganismus gewonnen und soll über seine bakterientötenden (bakterizide) Effekte positiv auf die Oberfläche der Narbe wirken. Nachgewiesen ist außerdem die Regenerationskraft, über welche Spiralin® die Narbenreifung unterstützt. Der zweite Inhaltsstoff, Emuöl (bekannt aus der Behandlung von Verbrennungsnarben) und ein integrierter UV-Schutz runden die Scarcare®-Produkte ab. Auch können Narbenpflegesets bestellt werden, die neben den benötigten Produkten ausführliche Anleitungen zur Narbenpflege enthalten.

Was können Sie noch tun, um die Narbenpflege zu unterstützen?

Egal für welches Produkt Sie sich entscheiden: Wichtig ist, die Narbe regelmäßig zu massieren. Optimaler Weise wird hierbei direkt die Narbencreme in die junge Narbe einmassiert. Am Besten beginnen Sie mit der Narbenpflege so früh wie möglich und führen diese diszipliniert und regelmäßig durch. Natürlich kann das auch mal „nerven“, aber das Resultat bleibt schließlich das ganze Leben bestehen.

Wir empfehlen unseren Patienten folgenden Ablauf: Nach dem Duschen wird die Narbe 8 bis 10 Minuten intensiv unter Verwendung der Narbencreme mit kreisenden und druckvollen Bewegungen massiert. Hiernach werden Cremereste entfernt und die Narbe wird mit einem Narbenpflaster abgedeckt (alternativ zum Pflaster kann an unbekleideten Hautpartien gut der Scarcare® Narbenstift verwendet werden). Abends wird das Pflaster entfernt, die Narbe abermals mit Narbencreme massiert und mit dem identischen Pflaster abgedeckt (dieses kann z. T. bis zu 3 bis 4 Wochen verwendet werden).

Wie lange sollte eine Narbe gepflegt werden?

Aus unserer Erfahrung reifen Narben in unterschiedlicher Geschwindigkeit. In wenigen Fällen ist das endgültige Ergebnis nach 8 bis 10 Wochen zu sehen, häufig muss die Pflege aber für bis zu sechs Monate durchgeführt werden. Solange die Narbe hart und rötlich ist, sollte die Pflege fortgesetzt werden, um die Ausbildung weiter zu optimieren. Erst wenn eine Hautfarbe (oder ein leicht weißlicherer Farbton) erreicht ist, sollte die Pflege abgeschlossen werden.

Was Sie nicht vergessen dürfen!

Ein wichtiges Detail, welches oft vergessen wird und auf welches wir hier nochmal hinweisen möchten: Wenn Sie während der Ausbildung der reifen Narbe Sonnenlicht ausgesetzt sind, müssen Sie die Narbe mit einem UV-Blocker schützen. Ansonsten kann es zu einer unschönen und bleibenden Pigmentierung kommen. Sollte das von Ihnen ausgewählte Produkt keinen integrierten UV-Filter anbieten, ist es ratsam, eine separate Sonnenschutzcreme bei sich zu führen (LSF>25). Erst wenn die Narbe völlig blass und weich ist, kann auf den UV-Schutz verzichtet werden.

Abschließend haben wir für Sie gängige Narbenpflegeprodukte zusammengefasst und nach einigen Kriterien sortiert.

Narbenpflegeprodukte alphabetisch geordnet, ohne Anspruch auf Vollständigkeit

NamePreis / Milligram bzw. Milliliterpatentierte Wirkstoffesonstige InhaltsstoffeUV-­SchutzBesonder­heitenweitere Produkte im Bereich Narbenpflege
Bepanthen Narbengel0,70 €Dexpanthenol, SilikonCremetube mit integriertem Massageroller
Contractubex0,26 €Heparin, Allantoin, ZwiebelextraktIntensivpatch für die Nacht
Dermatix Gel2,10 €Silikon, Vitamin C
Kelo Cote Gel1,00 €Siliciumdioxid, PolysiloxanSilikonspray, Kelo-cote UV (LSF 30)
Kelofibrase0,20 €Heparin, Kampfer, Ureanur in Apotheken erhätlich
Scarcare Narbenpflege1,40 €SpiralinEmuoil, Dimethicone, Silikonjavon Chirurgen entwickelt, UV-Schutz in allen ProduktenIntensive Patch und Pflegestift für unterwegs
Scarsoft1,20 €Silikon, Zwiebelextrakt, Vitamin E, Sodium hyaluronad


Autor:
Dr. med. Timo A. Spanholtz, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie, Leiter der Praxisklinik am Rosengarten

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Dipl. Geogr. Fabian Peters, Barbara Schindewolf-Lensch

Quellen:

  • Praxisklinik am Rosengarten: Narbenpflege (Abruf: 16.09.2019), praxisklinik-rosengarten.de
  • American Academy of Dermatology: Proper wound care: How to minimize a scar (Abruf: 16.09.2019), aad.org
  • American Society for Surgery of the Hand: Scar Management (Abruf: 16.09.2019), assh.org


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