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Urlaubsrisiko: Drohende Verletzungen durch Giftfische in der Nord- und Ostsee

Urlaubsrisiko: Drohende Verletzungen durch Giftfische in der Nord- und Ostsee


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Giftinformationszentrum: Immer mehr schmerzhafte Vergiftungen durch einen Fisch

Laut dem Giftinformationszentrum Nord (GIZ-Nord) haben Vergiftungen durch Kontakt mit einem Fisch, dem „Petermännchen“, in den letzten Jahren zu steigenden Anfragen geführt. Den Experten zufolge sind die Verletzungen ausgesprochen schmerzhaft. Die Schmerzen und Schwellungen können über Wochen und Monate anhalten.

Mehr Anfragen zu Vergiftungen

Ob durch Pilze, Pflanzen, Putzmittel oder Gifttiere verursacht – die Beratung in einem akuten Vergiftungsfall ist die Hauptaufgabe des Giftinformationszentrum Nord (GIZ-Nord) an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Laut einer Mitteilung haben die Experten des GIZ-Nord im vergangenen Jahr insgesamt 42.692 Anfragen zu Vergiftungen beantwortet. Das sind rund vier Prozent mehr als im Vorjahr. Gestiegen sind vor allem auch die Fragen im Zusammenhang mit Vergiftungen durch einen Fisch.

Vergiftungen durch Kontakt mit einem Fisch

Von Tieren und Pflanzen produzierte Toxine (Gifte) gehören laut den Fachleuten zu den gefährlichsten bekannten Giftstoffen.

Wie es in der Mitteilung heißt, haben Vergiftungen durch Kontakt mit einem Fisch, dem „Petermännchen“, in den letzten 20 Jahren zu steigenden Anfragen im GIZ-Nord geführt.

„Immer wieder kommt es an den norddeutschen Küsten zu Vergiftungen mit dem Petermännchen. Entweder tritt man im flachen Wasser auf den Fisch oder Angler verletzten sich beim Ablösen des Fisches vom Angelhaken“, so Prof. Dr. Andreas Schaper, der das GIZ-Nord zusammen mit Dr. Martin Ebbecke leitet.

„Glücklicherweise gab es bisher keine tödlichen Vergiftungen“, sagt Schaper.

Nur schwer zu erkennen

„Das Verbreitungsgebiet der Petermännchen in Deutschland ist die Nord- und Ostsee“, heißt es in einem Beitrag der Hochschule Bremen (HSB).

In der Laichzeit (Juli – August) suchen sie flache und sandige Gewässer auf, im Winter ziehen sie sich in tiefere Gewässer zurück, erklärt das Landesamt für soziale Dienste Schleswig-Holstein in einem Faltblatt.

Weil sie in der Färbung oft dem Bodengrund angepasst sind und sich im Schlamm beziehungsweise Sand eingraben, sind sie für Badende nur schwer zu erkennen.

„Bei Gefahr werden die Rückenstacheln aufgestellt. Beim Baden, Schnorcheln, Tauchen oder beim Waten im flachen Wasser kann es zum Kontakt mit dem Fisch kommen“, erläutern die Experten.

Und: „Vergiftungen kommen auch beim Angeln oder Netzfischen vor, wenn man den Fisch ohne Handschuhe zu greifen versucht.“

Stiche sind in der Regel nicht lebensbedrohlich

Laut dem schleswig-holsteinischen Landesamt sind die Stiche in der Regel nicht lebensbedrohlich.

Aber: „Die Verletzungen sind ausgesprochen schmerzhaft und die Symptome können Wochen, Monaten, in seltenen Einzelfällen sogar über Jahre anhalten“, erklärt Dr. Martin Ebbecke vom GIZ-Nord.

Neben den starke Schmerzen, die sich auf benachbarte Körperregionen ausbreiten können, bewirkt das eindringende Gift auch lokale Reaktionen wie Schwellung, Rötung, Blasenbildung und Taubheit.

In seltenen Fällen kann es auch zu systemischen Wirkungen (Kreislaufkollaps, Übelkeit und Erbrechen) und EKG-Veränderungen kommen.

„Die Therapie orientiert sich an den Symptomen, ein spezifisches Gegengift gibt es nicht“, so Dr. Martin Ebbecke. Das GIZ-Nord lässt derzeit über dreihundert Fälle von Vergiftungen durch Petermännchen im Rahmen einer Doktorarbeit analysieren. (ad)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.



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