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Forschung: Metabolisches Syndrom – Viele Stoffwechselerkrankungen beginnen frühzeitig mit Übergewicht

Forschung: Metabolisches Syndrom – Viele Stoffwechselerkrankungen beginnen frühzeitig mit Übergewicht


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Metabolisches Syndrom hat seinen Ursprung oft im Kindesalter

Bluthochdruck, schlechte Blutfettwerte, erhöhte Glukose- und Insulinwerte – solche Volkskrankheiten haben in vielen Fällen einen gemeinsamen Ursprung: Übergewicht. Ein deutsches Forschungsteam stellte nun fest, dass die Auslöser nicht selten viel weiter zurückliegen, als bislang gedacht. Laut der aktuellen Untersuchung sind Stoffwechselerkrankungen häufig die Folgen von Übergewicht im Kindesalter.

Forschende des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) zeigten kürzlich im Rahmen einer Studie, dass Stoffwechselerkrankungen oft ihren Ursprung im Kindesalter haben. Den Ergebnissen zufolge haben Menschen wesentlich häufiger metabolische Störungen, wenn sie bereits als Kind übergewichtig waren. Daraus ergeben sich auch höhere Risikofaktoren für Diabetes Typ 2 oder Herzkrankheiten. Die Studie wurde kürzlich in dem „International Journal of Epidemiology“ veröffentlicht.

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr

Der eigene Stoffwechsel ändert sich bei vielen Personen im späteren Leben nicht mehr, warnt das BIPS-Forschungsteam in einer aktuellen Untersuchung. „Ist Hänschen stark übergewichtig, dann wird es Hans vermutlich auch sein“, betonen die Forschenden. Somit wird der Grundstein für schwerwiegende Krankheiten bereits im Kindesalter gelegt.

Umfassende Untersuchung

Das Team untersuchte den metabolischen Status vom Kleinkindern bis ins Jugendalter hinein. Mehr als 16.000 Kinder im Alter von zwei bis neun Jahren wurden über einen Zeitraum von bis zu acht Jahren untersucht, um den Einfluss von Ernährung und Lebensstil auf ihre Gesundheit zu erforschen. Die Kinder stammten aus Deutschland, Belgien, Estland, Italien, Spanien, Schweden, Ungarn und Zypern. Nun wurden die Daten von 6.768 Kindern ausgewertet, die allesamt über sechs Jahre hinweg regelmäßig untersucht wurden. Neben Fragebögen zur Ernährung und Bewegung wurden auch regelmäßige körperliche Untersuchungen durchgeführt sowie Blut-, Speichel- und Urinproben analysiert. „Diese Daten ermöglichten es uns, Veränderungen im metabolischen Status von Kleinkindern bis hin in die Jugend zu analysieren“, erklärt Studienerstautorin Dr. Claudia Börnhorst.

Fast 40 Prozent der Kinder zeigten metabolische Auffälligkeiten

61,5 Prozent der Kinder waren metabolisch gesund, 38,5 Prozent zeigten zu Beginn der Studie bereits ungesunde Zustände. Bei 15,9 Prozent der Kinder wurde ein erhöhter Taillenumfang und somit ein beginnendes Übergewicht gemessen. Neun Prozent litten bereits unter einer Fettstoffwechselstörung und sieben Prozent unter Bluthochdruck. Besonders hart waren 6,6 Prozent der Kinder betroffen. Bei dieser Gruppe wurden bereits mehrere Risikofaktoren wie Adipositas, hoher Blutdruck, schlechte Blutfettwerte und erhöhte Glukose- und Insulinwerte festgestellt. Alle hier aufgeführten Faktoren gelten als Anzeichen für eine metabolische Störung. „Sobald drei oder gar vier der oben genannten Risikofaktoren vorgegebene Grenzwerte überschreiten, wird von einem Metabolischen Syndrom gesprochen“, so das Forschungsteam.

Isst der frühe Vogel zu viele Würmer, wird er krank

„Abdominelles Übergewicht scheint tatsächlich bereits bei Kindern der Startpunkt für weitere metabolische Störungen wie beispielsweise Bluthochdruck oder Lipidstörungen zu sein“, resümiert Börnhorst die Studienergebnisse. Aus der Gruppe der Kinder mit mehreren Faktoren für ein Metabolisches Syndrom habe es fast kein Kind zurück zu einem gesunden Status geschafft. Dies unterstreiche nochmals die Dringlichkeit, bei Übergewicht frühzeitig zu intervenieren.

Bei Übergewicht sollte so früh wie möglich interveniert werden

„Schon bei ersten Tendenzen in Richtung Übergewicht sollte gegengelenkt werden, damit Kinder erst gar nicht in den kaum reversiblen metabolisch ungesunden Status gelangen“, betont die Studienautorin. Dies zeigte auch der Umkehrschluss. 86,6 Prozent der Kinder, die zu Beginn der Studie keine Anzeichen eines metabolischen Syndroms hatten, wiesen auch am Ende des Untersuchungszeitraumes keine Anzeichen dafür auf. Lag am Anfang der Untersuchung ein beginnendes Übergewicht vor, so entwickelten 18,5 Prozent der Kinder im Laufe der Studie weitere ungesunde Faktoren. In der Gruppe der Kinder mit mehreren Risikofaktoren war die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass sie diese Risiken über den gesamten Zeitraum beibehielten. Das Team will die untersuchten Kinder nun weiter betreuen, um festzustellen, wie sich die Gegebenheiten im Lebensalter zwischen 12 und 22 Jahren entwickeln. (vb)

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Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Diplom-Redakteur (FH) Volker Blasek

Quellen:

  • Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie: Bereits im Kleinkindalter folgen auf Übergewicht häufig Stoffwechselerkrankungen (Abruf: 18.07.2019), bips-institut.de
  • Börnhorst, Claudia / Russo, Paola / Veidebaum, Toomas /u.a.: Metabolic status in children and its transitions during childhood and adolescence—the IDEFICS/I.Family study, International Journal of Epidemiology, 2019, academic.oup.com


Video: Dick und trotzdem fit - wieviel Übergewicht ist gesund? (September 2022).


Bemerkungen:

  1. Iapetus

    Eine zusätzliche Möglichkeit?

  2. Hezekiah

    Für mich ist es ein sehr interessantes Thema. Gib mit dir, wir werden in PM kommunizieren.

  3. Bocley

    Die maßgebliche Antwort, neugierig ...

  4. Kazizahn

    Grusel !!!



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